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	<title>Kufsteiner Schreibclub</title>
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	<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 17:46:19 +0000</pubDate>
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		<title>Lugenbauer und die Brandstifterin</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 17:46:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>astra</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lugenbauer und die Brandstifterin]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich habe die Lugibar abgefackelt. Jawohl. Angezündet habe ich sie, abbrennen lassen habe ich sie mit allem, was drin war. Mit allen, die drin waren.
Wie das klingt. So GRAUSAM.
Obwohl, wer war da schon noch drin. Eine Handvoll durchgeräucherte Altrocker, ein paar angesoffene Amtsschimmel, ein Rudel Mäzene. Und Lugi. War er da? Ja, er war da.
Schrecklich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe die Lugibar abgefackelt. Jawohl. Angezündet habe ich sie, abbrennen lassen habe ich sie mit allem, was drin war. Mit allen, die drin waren.<br />
Wie das klingt. So GRAUSAM.<br />
Obwohl, wer war da schon noch drin. Eine Handvoll durchgeräucherte Altrocker, ein paar angesoffene Amtsschimmel, ein Rudel Mäzene. Und Lugi. War er da? Ja, er war da.<br />
Schrecklich ist das. Furchtbar, werden die Leute sagen, FURCHTBAR…<br />
Wie kann man nur. Aber ich hatte meine Gründe.</p>
<p>Ich kann schon die Schlagzeilen sehen. BRANDSTIFTER SCHLÄGT ZU: BARBESITZER STIRBT IN DEN FLAMMEN. Wunderbar… Schnell ins Bad. Ist mir übel.<br />
Es würgt mich. Oje. Igitt.<br />
Wasser. Viel Wasser.<br />
Das tut gut.</p>
<p>Feuer. Rauch. Glutnester glosen. Menschen schreien.<br />
Puls pocht im Hals. Raus, raus. Atmen. Tief atmen.<br />
Stopp, Film im Kopf, STOPP.<br />
Ich bin unschuldig.</p>
<p>Hat mich wer gesehen. Wer könnte mich gesehen haben. Wer. WER. Wo. In dem Chaos.<br />
Feuerwehr. Rettung. Schaulustige. Rasende Reporter.<br />
Jetzt keine Panik. Alles geht nach Plan.</p>
<p>Raus aus den Klamotten. Die stinken nach Qualm. Weg damit. O Gott, meine Haare. Die muss ich abschneiden. Wo ist die Schere. Ah, hier.<br />
RRRSSSS. Das Geräusch, das eine Schere macht.<br />
Lugi liebte es.<br />
Lugi ist schuld.<br />
Ja, er ist an allem schuld.</p>
<p>Wohin mit dem Plunder? Am besten ab in den in den Ofen damit. Haare, Kleider, das ganze alte ICH. Faszinierend, wie schnell das verbrennt.</p>
<p>So, jetzt genau aufpassen. Wie schaut das Passbild aus. MIST. Wo ist denn dieser Scheißpass jetzt. Ah. Hier. Gut. Also, dieses Bild schaut mir doch überhaupt nicht ähnlich. Geh bitte. Da hätte sich die Mitzi schon ein bisschen mehr Mühe geben können. Die hat doch eh so viele Pässe zusammengefladert. 5000 wollte sie haben für den Schas. Eine feine Freundin ist das. Na gut, andererseits hab ich mit ihr auch schon mehr als einmal ein gutes Geschäft gemacht.</p>
<p>So, als erstes die Haare neu. Dann nehm ich eben die blonde Perücke. Die Passtussi hat auch so eine Mähne. Blaue Kontaktlinsen und geht schon. AU. Das brennt. Ich hab immer noch Asche in den Augen.</p>
<p>Jahrelang hab ich immer brav mitexerziert. Damit ist jetzt SCHLUSS. Ein für alle Mal. Wo ist denn die Wimperntusche. Ah, hier. Immer schneller, immer höher, immer toller dreht sich das Karussell, bis es GLÜHT. Du treibst es zu bunt, Lugi, das fällt dir noch auf den Kopf. Äch bän näch aufn Kopf gefalln, äm Onderschied zo dir. Khähähä.<br />
Dieses Lachen. Verschwinde, Lachen. DORT ist die Tür.<br />
Es gibt dich nicht mehr.</p>
<p>Wie spät ist es jetzt. Was, schon zehn. Schnell, schnell. Altes Gwand anziehen und ab zum Bahnhof. Das kleine Schwarze, Stiefel. Ledermantel. Blöder Zufall. Diese Sachen hab ich auch am ersten Arbeitstag angehabt. Ist das jetzt ein OMEN oder was.</p>
<p>Ich war einfach zu NAIV. Damals, als ich bei Lugi angefangen hab. Die letzten Jahre dann nicht mehr so sehr. Hm. Wie hinterlasse ich das Haus. Am besten, es schaut so aus, als wär ich nur ausgegangen. So, vor allem die Schminksachen sollen hier herumkugeln. Zwei, drei Kleider breite ich aufs Bett. Und dann raus hier.</p>
<p>Schnell noch eine Notiz im Küchenkalender. MITZI 20 UHR ARABIA. Das ist plausibel. Ich und die Mitzi sind immer in der Arabia, wenn ich frei hab. Und heute hab ich definitiv frei.<br />
Da sollen sich die Kieberanten erst mal reindrängen, in das Kitschbeisel, und dann in aller Ruhe die Mitzi ausfratscheln. Die hat eh keinen Tau von nix.</p>
<p>Handtasche. Pass. Flugticket. Bargeld. Alles da. Noch ein kurzer Rundgang durchs Haus. Herd aus. Musik aus. Ofen soll fertigbrennen. PASST.<br />
Die armen Blumen. Die werden eingehen.</p>
<p>Äch hab dä Rockmusäk nach Kuhfstein gäbracht. Ohne mäch gäbs hier nur Blasmusäk und Biedermänner. Schon jätzt bän äch eine Lägändä. Khähähä.</p>
<p>Ja, Lugi, ja genau. Noch in dreißig Jahren werden sie dir in diesem Kaff die Kuschelrotz-Events widmen. Das Oberkreuzberger Nasenflöten-Orchester wird dir ein Requiem komponieren.</p>
<p>Was ist das für ein Lärm da draußen. VERDAMMT. Blaulicht. So früh hätt ich mit denen nicht gerechnet. Vielleicht hat mich doch wer gesehen. Zu blöd auch. Hätte mich schon für das Feuermachen verkleiden sollen.<br />
Schnell durch die Terrassentür in den Garten. Scheiß-Schuhe. Zu eng zum Laufen. Wo ist der Zippverschluss. Aufmachen. Warum zittern meine Hände so.<br />
Ab durch die Mitte.</p>
<p>Nein, nein, NEIN. Die dürfen mich nicht kriegen. Ich weigere mich. Den Lugi hätten sie kriegen sollen. Aber dafür haben sie von ihm einfach zu viel gekriegt, damals. Mir ist nichts anderes übrig geblieben. Ich habe die Dinge selbst in die Hand nehmen müssen.</p>
<p>Huh, ist das anstrengend. Mein HERZ. Gleich bin ich am Christkindlmarkt. Gut besucht heute. Optimal. Jetzt mische ich mich unter das Volk. Flanieren. Zwinkern. Strahlen wie ein Christbaum. Warum schaut denn die Frau da so komisch. Mist. Die Schuhe. Ups. Wissen Sie, das ist heuer modern. SSSIPP. Auch dieses Geräusch behagte Lugi sehr.</p>
<p>So. Banksitzen ist unauffälliger. Sitzenbleiben. Einatmen. Ausatmen. Eine Tschick anzünden. Keine Kieberei in Sicht. Gut.</p>
<p>Das Problem, das ich mit Lugi hatte, war nicht die Musik. Auch nicht seine Spleens und Marotten. Als Chef war er durchaus in Ordnung. Man musste nicht darben.</p>
<p>Und das eine oder andere arrangierte Stelldichein im Hinterzimmer war schon OK.<br />
Vorausgesetzt, es hat sich finanziell gelohnt. Und das hat es sich meistens.<br />
Sei nätt zu däm Macker, mein Mädchen. Der isn Goldesel.<br />
Ja, Lugi, ja. Werd ich machen. Weißt eh, dass ich ein richtiges Zuckergoscherl sein kann. Khähähä. Kriechste dann n Stöck Zockerbrood von mir.<br />
Und wenn’s nicht klappt, de Paitschä.</p>
<p>Saukalt ist es hier. Besser, ich steh auf. Einen Glühwein, bitte. Ja, ich weiß, fünf Schilling Becherpfand. Na dann, zum Wohl. Auf das Leben in Flucht. Picksüß, das Klumpert. Und EX.</p>
<p>Ich hatte auch kein Problem mit der SCHLEIMSPUR, die Lugi beim Anbiedern an kokaindünne Rockergattinnen oder weinselige Kulturstadträte hinterlassen hat.<br />
Der Kampf um Subventionen ist schon immer ein heikles Geschäft gewesen.<br />
Nein, das Hauptproblem ist ganz woanders gelegen.</p>
<p>Welchen Weg soll ich nehmen. Unterer Stadtplatz oder Marktgasse. Der Zug geht in einer Viertelstunde. Jetzt bloß nicht auffallen. Ich bin fast schon in der Zielgeraden.</p>
<p>SHIT. Da vor der Sparkasse. Die zwei Typen mit den dicken Augenbrauen. Warten die auf mich oder was. Schnell rein in den Hauseingang da. Verdammt. Was soll ich jetzt machen.</p>
<p>Das war ja das Unheimliche, als die damals beim Lugi aufgekreuzt sind. Wann war das noch mal. Vor zwei Jahren oder so muss das gewesen sein. Jedenfalls haben die urkomisch geredet. Und auf einmal fängt der Lugi auch an so zu reden. Wie so ein Steinzeitslang hat das geklungen. Eus katzi ASKATZASUNA. Oink zerbitzatzan du eskua. Bis heute geistert mir das im Schädel herum. Obwohl ich die Bedeutung nicht kenn.<br />
Was war denn das jetzt, Lugi.<br />
Das geht dichn feuchtn Kehricht an. Musste nich alles wissen.<br />
Wamm. Tür zu.</p>
<p>Na schön, Lugi. Wenn du glaubst, ich bin auf der Brennsuppe daher geschwommen, dann BITTE. Aber wunder dich nicht, wenn das alles irgendwann auf dich zurückfällt.</p>
<p>Jedenfalls sind die zwei Steinzeit-Haberer immer wieder gekommen und jedes Mal noch länger geblieben. Auf konspirative Sitzungen im Separee.</p>
<p>Und ich glaub, der Lugi war auch ein bisserl naiv. Hat wohl nicht damit gerechnet, dass ich in seiner Abwesenheit zum Herumstierln anfang. Und was ich da so gefunden hab, war nicht von schlechten Eltern. Operation MORGENSCHWERT, hat es da geheißen. Siegreich in Barcelona. Rote Grütze in Saragossa. Plus Bombenbastler-Handbücher. Und LUGIBAR ist in Wirklichkeit keine Bar, sondern so ein baskisches Kaff, wo der Lugi mit seinen Eta-Genossen die ersten Coups geplant hat. Spätestens da hat es mir echt den Magen umgedreht. Dabei bin ich nicht unbedingt eine von der moralischen Sorte. Ich hab dem Lugi ja einiges zugetraut. Aber so einen kranken Scheiß nicht.</p>
<p>Und das Beste war dann, dass ich die ANIMIERDAME für die zwei Wilden hätt spielen sollen. Die waren ganz scharf auf mich. Also, ich hab aber auch meine Grenzen. Der Lugi hat ihnen dann als Trostpflaster zwei minderjährige Thai-Mädels besorgt. Danach war erst einmal Schluss. Nicht, dass sie es nicht immer wieder versucht hätten. Aber der Lugi hat ganz genau gewusst, da beißt er bei mir auf Granit.</p>
<p>Am ärgsten war dann mein kleiner Besuch bei der Polizei. Wollte zur Abwechslung mal was GUTES tun und hab ihnen das ganze Beweismaterial rübergeschoben.<br />
Und des soima Eana iatz glam. Da Hea Lugnbauer is eabora Birga. Und wohea soin mia eigentlach wissn, daas ned Sie söwa a so a Terrorschlompm san und ins auf a foische Färte lockchn woin. Oiso, Sie pockn iatz des Kchraffewerch gonz schnö wiedarei und lossn si nimma bei ins blickchn.<br />
Hommarins vastondtn.</p>
<p>Von da war es dann zum Benzinfass und den Streichhölzern nur mehr ein kurzer Weg. Leider hab ich die beiden Augenbrauen nicht erwischt. Als hätten sie es gerochen.</p>
<p>Zurück zur Gegenwart. Konzentrieren. ATMEN, tief atmen.<br />
Susi fasst für Sie zusammen: Wir haben hier zwei smarte Terrorbrüder mit sexy Augenbrauen. Die sind nur im Doppelpack zu haben und können Ihnen so richtig einheizen. An ihrer Seite erwartet Sie ein romantisches Leben als Freiheitskämpfergattin. Und wenn Sie nicht spuren, dann gibt’s eine Kugel in den Kopf.</p>
<p>GO GO GO. Stiletto Run zum Taxistand. Au. Die Eisluft brennt im Hals. Wie der ärgste Calvados. Zum … huh … hah … Bahnhof, bitte. Schnell.</p>
<p>Ein Schuss. Bremsen quietschen. Fahren Sie, guter Mann. Lauter VERRÜCKTE sind heut unterwegs. Ist sicher nur ein Silvesterkracher. Jaja, ich versteh das schon, ich bin auch erschrocken. Trotzdem muss ich zum Zug. Meine Oma liegt im Spital.</p>
<p>Gott, meine Hände zittern. Herz, hör auf zu rasen. Das nützt doch auch nichts. Ruhig, ruhig, ruhig. Da, die Innbrücke. HOPP, HOPP, Taximann. 40 Schilling? Hier, der Rest ist für Sie. Doch, natürlich ist das nötig gewesen. Danke, auf nimmer Wiederschaun.</p>
<p>Sprint zum Bahnsteig. Stiegen runter, Stiegen rauf. ACHTUNG BAHNSTEIG 3. Eurocity Michelangelo nach München Hauptbahnhof fährt ein.</p>
<p>Rein ins Abteil, Vorhang zu, Licht aus. Tschick anheizen. Ah, ist das schön.<br />
Eine Hürde ist noch. Nein, zwei.</p>
<p>Zugestiegen, bitte. PASSKONTROLLE.<br />
So, jetzt Vorhang auf für den Augenaufschlag. Lächeln, Bauch rein, Brust raus.<br />
Zum Glück sieht man das Herz nicht durch, das klopfende.<br />
Guten Abend, Herr Zugführer. Bitte sehr.<br />
Vielen Dank. Gute Fahrt.</p>
<p>Bin ich müde. Und hellwach zugleich. Kurz entspannen. Augen zu.</p>
<p>Mein Gott, die Augenbrauen. Da. Sie sind vorbeigegangen. HILFE. Die kommen sicher noch mal zurück. Wie kann man dieses Fenster aufmachen. Ich muss aus dem Zug springen.</p>
<p>Sehr geehrte Fahrgäste, in wenigen Minuten erreichen wir München Hauptbahnhof.<br />
WAS. WO. WIE. Die zwei Bomberjungs sind hinter mir her. Nein. Ich hab nur geträumt.<br />
Aussteigen. Taxi suchen. Zum Flughafen, bitte.</p>
<p>Das kanns doch nicht gewesen sein. Billig ist das. Ich komm mir vor wie das lebende Halbweltdamenklischee aus dem Dreigroschenroman. Mir gefällt aber nicht, dass die am Ende immer sterben müssen.</p>
<p>FREIHEIT. Köstlich. Die Weihnachtsbeleuchtung fliegt am Fenster vorbei. Ich fliege auch.<br />
Weit weit weg. Wie schön. Yeah. Ich könnte schreien, singen, springen.</p>
<p>Flughofn, Obflughollee, die Dame. Ach so, ja, danke. Hier, 30 Mark. Stimmt so.</p>
<p>Ich schwebe zum Check-in. Zahnpastalächeln, FILM AB. Fensterplatz, Raucher bitte.<br />
So, jetzt schnell zum Gate. Oh nein. Das kann nicht sein. Da steht Augenbraue eins.<br />
Hat er mich gesehen. Nein, er schaut in die andere Richtung.<br />
Glaubt wohl, ich flieg nach Bilbao. Schön blöd wär ich da.</p>
<p>Mist, er hat mich gesehen. Komisch. Alles ist wie in ZEITLUPE. Jetzt direkt durch die Schranke. Meine einzige Chance ist, dass er kein Ticket hat. Dann gewinne ich Zeit. Bis der dann auch einen Flugschein organisiert hat, bin ich schon über alle Berge. Scheiße Scheiße Scheiße. Er kramt in der Tasche. Nein, kein Ticket, aber eine Waffe. Ist der total irre. Jetzt rennt er in meine Richtung. Schnell durch die Sperre. Lächeln. Tun, als wär nichts.</p>
<p>Kurzer Blick zurück. Ja. Jetzt haben sie ihn geschnappt. Ok. Cool bleiben. Bis der dazu kommt, Blödsinn über mich zu quatschen, sitz ich schon längst im Flieger.</p>
<p>Da, Gate 29. READY FOR BORDING. Immer geradeaus.</p>
<p>Willkommen auf dem Lufthansaflug LH 951 nach Buenos Aires. Nehmen Sie sich bitte kurz Zeit, um sich mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraut zu machen.</p>
<p>Nein, danke, brauch ich nicht. Ich hab schon alle Vorkehrungen getroffen.<br />
Was ich trinken will? Egal, Hauptsache mit Alkohol.</p>
<p>Prost! Ich gehe, aber ich komme NIE wieder. Vielen Dank, dass Sie unser Gast waren.<br />
Die Lugibar schließt für immer ihre Pforten. Wem Sie das zu verdanken haben?<br />
Das ist ab sofort ein Geheimnis.<br />
Aktenzeichen XY ungelöst.</p>
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		<title>Das Kopfzimmer. Eine Bildstörung</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 17:41:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>astra</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Das Kopfzimmer]]></category>

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		<description><![CDATA[St. Cézaire, 15. März
Wenn dir die Zeit ausgeht, muss sich mehr ausgehen als sonst. Das Unnütze eher als das Brauchbare. Das Langsame eher als das Schnelle. Deshalb habe ich mir vorgenommen, ab sofort alles zu unterlassen, was weniger als drei Stunden dauert. So kam es auch, dass ich heute von acht bis acht am Dorfplatz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>St. Cézaire, 15. März<br />
Wenn dir die Zeit ausgeht, muss sich mehr ausgehen als sonst. Das Unnütze eher als das Brauchbare. Das Langsame eher als das Schnelle. Deshalb habe ich mir vorgenommen, ab sofort alles zu unterlassen, was weniger als drei Stunden dauert. So kam es auch, dass ich heute von acht bis acht am Dorfplatz saß und den Platanen beim Wachsen zuschaute.<br />
Ich sah, wie der Morgentau die Blätter aufspannte. Gleich, nachdem sie erwacht waren, begannen sie Licht und Silberdunst zu atmen. Einige bekamen keine Luft mehr und fielen in Zeitlupe zu Boden. Gegen Mittag legte sich ein Safranhauch über alles, und die Baumkronen trieben wie Fischschwärme über den Himmel. Den ganzen Nachmittag schubsten sie Windböen hin und her. Abends wurde das Licht zäh wie Honig. Erst da kamen die Bäume allmählich zur Ruhe.<br />
Während der Pastis vom Glas in die Blutbahn überwechselte, kehrten meine Gedanken schließlich doch zu dem unverschämten Wuchern hinter der rechten Schläfe zurück.<br />
Warum wächst manches so schnell in den Tod hinein?</p>
<p>Callian, 17. März<br />
In der Provence sind Olivgrün und Orangerot noch unschuldig. Heute lag ich auf dem Balkon in der Sonne und besoff mich mit Farben. Ein Schluck Lavendel. Ein Gläschen Mimosengelb. Ein Tropfen Azur. So lange, bis innen an den Augenlidern Feuerblumen keimten.<br />
Du musst in dich gehen, meinte Jerôme, die Ausgehbekanntschaft. Hier, ich borge dir meine Maison für ein paar Tage. Das Gute an Jerôme war, dass man ihn nicht trösten musste, weil man ihn mit dem Sterben behelligt hatte. Wer weiß, wofür diese Gypset-Bars in Cannes gut sind. Aber manchmal sind dort Schlüssel für Häuser zu finden.<br />
In meinem Kopf ist ein zugesperrtes Zimmer, in das niemand hinein kann. Dort quellen schrille Farben unter der Tür heraus. Ich habe es auf dem Tomogramm ganz genau gesehen. Danach war mir die Buntheit wochenlang vergällt. Auch Fremdwörter waren mir von dem Zeitpunkt an aufs Äußerste verhasst. Sie standen vor der Kopftür herum und tranken Tee mit den schrillen Farben und mit der neuen Sachlichkeit. Die wiederum war eine Frau in Weiß. Nur noch drei Monate zu leben, sagte sie. Austherapiert, meinte sie, und lächelte dienstmäßig.<br />
Im Stillen beschloss ich, ab jetzt nur noch zu leben. Sie können schon gehen, wenn Sie wollen, sagte die neue Sachlichkeit, aber vorher müssen Sie hier unterschreiben.</p>
<p>Amsterdam, 21. März<br />
Der Leidseplein pixelt. Hinter den beleuchteten Giebeln sind ein paar hohle Stellen ohne Boden und ohne Ende. Die Biertrinker tun so, als wäre nichts. Das Dunkle mundet ihnen nur, wenn sie nicht hinsehen. Die Pilzmischer wiederum achten bloß auf die schrillen Farben. Sie sind mir suspekt.<br />
Habe nun mehr Muße für Betrachtungen, da mir das Geld ausgegangen ist. Immerhin ist es mir drei Tage lang gelungen, die Zeit homöopathisch zu dehnen. Seit dem Ende der Wirkung mische ich mich unter die Schausteller und schöpfe Mut aus der Gaukelei.<br />
Know Thyself: Trip Interpretation, steht auf meinem Pappkarton. Manchen kann man wirklich mit jedem Unfug das Geld aus der Tasche ziehen. Mir soll’s recht sein. So komme ich schneller nach Malta.</p>
<p>Victoria, 25. März<br />
Die Hügel von Gozo sind ein grüner Schwamm, der Gefühle aufsaugt. Reiseführer müssten die Feriengäste darauf hinweisen. Hassen Sie jemanden? Dann steigen Sie doch bitte auf den Festungsberg. Schwermütig? Ausflug zum Kuljat, sehr zu empfehlen. Ängstlich? Żebbuġ!<br />
Heute lag ich auf dem Gipshut von Xweijni Bay und versalzte den Karamellstein gründlich mit Tränen. Später ging ich ins Restaurant und aß ein halbes Kaninchen, um das Ende der Brauchbarkeit zu feiern. Denken Sie positiv, hatte der Chef gesagt. Ich gehe davon aus, dass Sie in drei Monaten wieder einsatzfähig sind. Doch seit die Trauer im Fels versickert ist, finde ich Gefallen an der Nutzlosigkeit. Ein Dasein ohne Zweckbindung. Einfach nur da sein.<br />
Beim Dessert schon wieder eine Bildstörung. Selbstzweck?</p>
<p>Marsalforn, 26. März<br />
Heute Nacht besuchte mich die Angst. Was willst du, fragte ich. Dich, sagte sie und drängte mich zur Wand hin. Langsam drückte sie mir mit ihren Knochenfingern den Sauerstoff ab. Das kann nicht gut ausgehen, zischte sie. Sieh doch endlich den Tatsachen ins Auge.<br />
Aufhören, schrie ich, loslassen. Ich kämpfte mich frei, rannte auf die Terrasse. Gierig sog ich mir die Lungen mit Salzluft voll. Bis zum Morgengrauen machte sich der Schlaf rar. Also beobachtete ich die Brandung, wie sie das Land vor und zurück bewegte.</p>
<p>Valletta, 28. März<br />
Am Ausgang des Archäologischen Museums traf ich auf einen chinesischen Cellisten. Er spielte Bach. Ich hörte ihm lange zu. Die Schallwellen schwappten in meine Gehörgänge, überfluteten das Kopfzimmer und verwässerten die grellen Farben. Schließlich wurde das Ich auf die offene See hinausgeschwemmt, wo es sich im Salzwasser langsam auflöste.<br />
Als der Musiker seinen Vortrag beendet hatte, lud ich ihn auf eine Schale Nudeln ein. Er gab mir die Visitenkarte seiner Großmutter. Medizin-Oma werde sie auch genannt. Die könne mir vielleicht helfen. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Vom Hoffen werde ich immer so dynamisch. Das passt mir nicht mehr ins Konzept.</p>
<p>Lantau, 3. April<br />
Bin trotz Brechreiz der Zuversicht erlegen. Außerdem ist ohne eine letzte Chinareise kein würdiger Abgang möglich. Mit der Krankheit, die vor mir auf den Pflastersteinen ausgebreitet lag, brauchte ich keine drei Tage, um mir in der Republic Street das Fluggeld zusammenzuschnorren.<br />
Heute besuchte ich das Kloster des kostbaren Lotos. Das Meer flirrte in Türkis, doch an manchen Stellen zeigten sich rosa Punkte. Die Buddhastatue hatte dunkle Streifen mit Abgrund dahinter. Versuchte die Tiefe zu ermessen, doch das schmerzte in den Augen.</p>
<p>Lantau, 4. April<br />
Vormittags war ich am Strand. Ließ meine Schuhe in der Gischt stehen. So werden sie sich auch nach meinem Erlöschen noch bewegen. Wollte sicher gehen, dass sie ohne mich sein können.</p>
<p>Guilin, 7. April<br />
Gebe Privatunterricht in Englisch, um mich über Wasser zu halten. Das Outgoing-Office der Fremdsprachenuniversität fragte an, ob ich eine Dauerstelle wolle. Ich lehnte dankend ab. Schließlich muss ich zu Medizin-Oma. Dies ist hiermit mein letzter Versuch, mich von jemandem heilen zu lassen.</p>
<p>Yangshuo, 10. April<br />
Langsam geht mir der Wille aus. Tablettendosis erhöht. Bei einer Radtour am Jadedrachenfluss kam ich an einem Friedhof vorbei. Sehr schöne Lage. Gutes Fengshui: Im Rücken die Zuckerhutberge, nach vorne hin das saftige Flussblau. Vielleicht ist es gar nicht so übel, da unten zu liegen.</p>
<p>Yangshuo, 12. April<br />
Wieder war die Angst auf Besuch, ohne dass ich sie eingeladen hätte. Karma, flüsterte sie mir ins Ohr. Tartarus. Höllenfeuer. Such dir eine Phantasie aus. Wird prompt geliefert. Himmel ist derzeit leider vergriffen. Eishände strichen über meinen Nacken. Kurz, bevor es zu spät war, taute ich auf und floh aus dem Zimmer.<br />
Unten auf der Straße hatte der Nachtmarkt gerade angefangen. An den Ständen farbenfrohe Arrangements aus Gemüse, Fisch und Kleintierstücken. Die Ansicht zerfloss wie das Testbild auf einem alten Röhrenbildschirm.</p>
<p>Longsheng, 15. April<br />
Ich sitze auf der Bergkuppe, unter mir klammern sich Reisterrassen an den Steilhang. Ein Riese muss sie mit seinen Händen gegraben haben und danach mit seiner Meerschaumpfeife Dampfwölkchen in die Luft gehängt haben.<br />
Ich glaube, ich bin nur eine Figur in einem Computerspiel. Wenn ich blinzle, sehe ich neongrüne Polygone, dahinter Schwärze. Wer steuert mich?</p>
<p>Longsheng, 18. April<br />
Endlich habe ich mich zu Medizin-Oma durchgefragt. Sie trägt einen Turban. Beim Anblick ihrer grellrosa Kleidung zuckte ich zusammen. Sie lächelte. Mein Enkelsohn hat mich schon angerufen, sagte sie.<br />
Anschließend Pulsdiagnose. Was hast du da bloß für ein Zimmer im Kopf. Sie zuckte vor Schmerz zusammen und ließ mein Handgelenk los. Wir werden von der Milz-Energie ausgehen, sagte sie und drückte mir blassgelbe Pillen in die Hand. Drei Mal täglich vor dem Essen. Willst du Süßkartoffeln?</p>
<p>Longsheng, 29. April<br />
Weniger Schmerzen. Bad in den heißen Quellen. Das Wasser besteht aus Kristallen, die ausweichen, wenn man sie einfangen will.</p>
<p>Longsheng, 5. Mai<br />
Die Angst war wieder da. Lang nicht gesehen, sagte ich. Ich vergesse dich nicht, sagte sie. Was die anderen betrifft, bin ich mir da nicht so sicher. Ihre Faust senkte sich in meinen Magen. Wer denkt noch an dich. Für die bist du doch schon eine lebende Leiche. Ich rannte ins Badezimmer und spie die Faust aus. Geh auf dein Zimmer und vergiss nicht die Tür zu schließen, brüllte ich. Sonst vergesse ich mich.</p>
<p>Longsheng, 7. Mai<br />
Medizin-Oma gibt mir die Behandlung gratis. Dafür muss ich Hühner füttern und mit den Enkeltöchtern Englisch lernen. Der Himmel flimmert.</p>
<p>Longsheng, 15. Mai<br />
Fast schmerzfrei. Abreise. Habe einen Jahresvorrat gelbe Pillen im Gepäck. Ich hänge an unsichtbaren Fäden, die mich in die Höhe ziehen.</p>
<p>Kufstein, 29. Mai<br />
Wieder zu Hause. Musste in Hongkong zwei Wochen auf der Straße Kinderporträts malen, um das Flugticket zu organisieren. Die ganze Stadt war eine einzige Pixelgrafik.<br />
Habe beschlossen, den Sommer über ins Gebirge zu ziehen. Das Flimmern wandert mit. Vielleicht ist es doch kein Spiel.</p>
<p>Kaisertal, 2. Juni<br />
Der Himmel ist ein gläserner Block, der über allem schwebt. Rot-grün-blaues Gewebe flattert an der Leine im Wind. Nein, umgekehrt: Die Schrift auf den Tüchern versetzt die Luft in Schwingung, sodass auch die Felsriesen ganz leise erzittern. Der Bach bewegt sich mit. Sein Rauschen erfüllt das Kopfzimmer. So wird das Ticken der Uhr im Gehörgang übertönt.<br />
Nach der Aussöhnung mit den Farben darf sich das Abendrot vor meinen Augen aufs Tal senken und die Hügel durchscheinend machen. Ich bleibe hier sitzen, bis das Licht ausgeht. Wenn es so weit ist, werde ich die Augen weit öffnen.</p>
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		<title>Restless Leg: Frenetischer Jubel in der literarischen Community</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 17:14:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>astra</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Restless Leg]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Unmöglich, dass die biedere Prosa aus dem Elfenbeinturm unsere Ziele erreichen kann, auch einen Mittelweg sucht man vergebens. Ich lade alle revolutionären Literaten ein, gemeinsam mit dem Kufsteiner Schreibclub auf diesem Pfad des literarischen Aktionismus des neuen Jahrhunderts zu marschieren.&#8221;
&#8211; G. Marquez
&#8220;Es gibt nichts Widerwärtigeres als phantasielose Kleinstadtkleinbürger, ja, und das widerwärtige Geschwätz dieser Lederhosenspießer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Unmöglich, dass die biedere Prosa aus dem Elfenbeinturm unsere Ziele erreichen kann, auch einen Mittelweg sucht man vergebens. Ich lade alle revolutionären Literaten ein, gemeinsam mit dem Kufsteiner Schreibclub auf diesem Pfad des literarischen Aktionismus des neuen Jahrhunderts zu marschieren.&#8221;<br />
&#8211; G. Marquez</p>
<p>&#8220;Es gibt nichts Widerwärtigeres als phantasielose Kleinstadtkleinbürger, ja, und das widerwärtige Geschwätz dieser Lederhosenspießer gehört beendet, sie gehören aus ihren spießigen Stuben hinausgejagt samt ihren Lederhosen, hinaus ins grelle Licht der unverdünnten Wirklichkeit, und da muss man direkt dankbar sein, dass es noch den einen oder anderen gibt, der bereit dazu ist, diesen Spießern in ihrer Widerwärtigkeit und Phantasielosigkeit einen Spiegel vorzuhalten.&#8221; &#8212; T. Bernhard</p>
<p>&#8220;We are all born mad. Some remain so. Congratulations to the Kufstein Schreibclub for outstanding madness &amp; courage.&#8221; &#8212; S. Beckett</p>
<p>&#8220;Extremely brilliant.&#8221;. &#8212; J. Fforde</p>
<p>&#8220;Pfundig!&#8221; &#8212; H. Rosendorfer</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-658" title="newflaier021" src="http://www.schreibclub.cc/wp-content/uploads/2008/09/newflaier021.jpg" alt="newflaier021" width="470" height="353" /></p>
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		<title>Erinnerung</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Aug 2010 17:00:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>giulia</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>

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		<description><![CDATA[Da unten ist ein Keller,
ein Keller, in den ich nie wieder hinabsteigen werde.
Da unten ist ein UNOrt.
Dunkel und modrig.
Irgendwann hab ich diesen Ort ausgeknipst,
abgesperrt,
durchtrennt,
mit Stacheldraht umzäunt.
Verbannt aus meiner Körperlandkarte.
Da unten ist Sperrzone.
Kein Zutritt für Emotionen.
Kein Platz für Lebendiges.
Hingabe, Lust, Zärtlichkeit?
Zum Teufel damit!
Irgendwann hab ich alles Helle ausgelöscht.
Tabula rasa!
Schwärze der Nacht!
Da unten erklingt  ein stummer Gesang.
Ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da unten ist ein Keller,</p>
<p>ein Keller, in den ich nie wieder hinabsteigen werde.</p>
<p>Da unten ist ein UNOrt.</p>
<p>Dunkel und modrig.</p>
<p>Irgendwann hab ich diesen Ort ausgeknipst,</p>
<p>abgesperrt,</p>
<p>durchtrennt,</p>
<p>mit Stacheldraht umzäunt.</p>
<p>Verbannt aus meiner Körperlandkarte.</p>
<p>Da unten ist Sperrzone.</p>
<p>Kein Zutritt für Emotionen.</p>
<p>Kein Platz für Lebendiges.</p>
<p>Hingabe, Lust, Zärtlichkeit?</p>
<p>Zum Teufel damit!</p>
<p>Irgendwann hab ich alles Helle ausgelöscht.</p>
<p>Tabula rasa!</p>
<p>Schwärze der Nacht!</p>
<p>Da unten erklingt  ein stummer Gesang.</p>
<p>Ein Gesang aus ferner Zeit.</p>
<p>Ein Gesang.</p>
<p>Mutig.</p>
<p>Klang.</p>
<p>Ein Klang, der Wohlklang war.</p>
<p>Frei,</p>
<p>unbeschwert,</p>
<p>ungezähmt.</p>
<p>Da unten sang es einen wilden Tanz.</p>
<p>Da unten sang es .</p>
<p>Da unten.</p>
<p>Einst.</p>
<p>Einst da unten.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Karl Kinaski</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 14:44:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>karl</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[l Kinaski – ein Leben …
Karl Maria Kinaski wurde am 1. Mai 1971 als Sohn des vorbestraften Pferdemetzgers Klemens Kinaski und der sozial auffälligen Selchersgehilfin Klara, die Gerüchten zufolge gleichfalls den Nachnamen Kinaski getragen haben soll (und zwar bereits vor der Hochzeit), in der kleinen Tiroler Landgemeinde Rettenschöß geboren.
Seine Kindheit verbrachte Kinaski, dessen Eltern nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>l Kinaski – ein Leben …</p>
<p>Karl Maria Kinaski wurde am 1. Mai 1971 als Sohn des vorbestraften Pferdemetzgers Klemens Kinaski und der sozial auffälligen Selchersgehilfin Klara, die Gerüchten zufolge gleichfalls den Nachnamen Kinaski getragen haben soll (und zwar bereits vor der Hochzeit), in der kleinen Tiroler Landgemeinde Rettenschöß geboren.<br />
Seine Kindheit verbrachte Kinaski, dessen Eltern nicht nur Fleischhauer, sondern auch schwere Trinker waren, zwischen Schalchtschussapparaten, Beilen und anderen Metzgerutensilien; zwischen Schlachtabfällen, Starkbier und Vogelbeerschnaps. „Während die anderen Schulkinder Milchschnitten bekamen, gab es bei uns zuhause nur Milzschnitten“, sollte sich Kinaski später an diese traurige Zeit erinnern.<br />
Eine geradezu manische Vorliebe für rohes Fleisch und harten Alkohol in allen Formen sollte ihn sein Leben lang begleiten; Mit dem Schreiben beginnt Kinaski, weil seine Hände für jede manuelle Tätigkeit, sogar für das plumpe Fleischerhandwerk, zu klobig sind, sein Geist aber für jede höhere Schulbildung zu unruhig ist; entdeckt das Werk des berüchtigten Beatliteraten Charles Bukowski für sich – sollte sein Leben verändern – vor allem, als er entdeckt, dass die Hauptperson in vielen von Bukowskis wüsten Sauf- und Sexgeschichten den Namen Chinasci trägt; Mit 16 büchst er von zuhause aus (mit den gesamten Ersparnissen seiner Eltern und gefälschten Ausweisen) und beschließt, nach Kalifornien zu gehen, um seinem Idol so nahe wie möglich zu sein; hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser; beginnt ihm, bei seinen nächtlichen Saufgelagen nachzustellen und ihn sogar nach Hause zu verfolgen; zunächst stößt Bukowski den jugendlichen Stalker jedoch brüsk zurück; in seiner Verbitterung und Enttäuschung greift Kinaski zunächst zu Rattengift, nach seiner Genesung jedoch zur Feder und bringt eine zornige Short Story mit dem unmissverständlichen Titel „Bukowski ist ein alter Wichser!“ zu Papier; von der rohen Energie und direkten, ungeschliffenen Emotionalität der Geschichte zeigt sich Bukowski so angetan, dass er beschließt, den kleinen Ausreißer aus Tirol unter seine Fittiche zu nehmen; Zwischen den beiden ungleichen Männern entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, ja Seelenverwandschaft; Bukowskis väterliche Zuneigung zu Kinaski geht so weit, dass er ihm zu seinem bevorzugten Zechkumpanen macht: gemeinsam zieht man durch das Nachtleben der abseitigeren Teile von L. A.; in langen Gesprächen über Gott und die Welt stellen Kinaski und Bukowski fest, dass ihre beiden Leben durch einen unglaublichen Zufall miteinander verbunden sind: die berühmte Figur des Chinasci ist keineswegs, wie Heerscharen von Literaturwissenschaftlern angenommen hatten, Bukowskis Alter Ego, sondern vielmehr eine literarische Würdigung von Killian Kinaski – niemand Anderem als Karl Kinaskis Großvater. Bukowski hatte den Kinaski-Opa auf einer Sauftour im Kufsteiner Batzenhäusl kennengelernt und die Figur bis ins Detail mit dessen äußerlichen und charakterlichen Zügen ausgestattet; am xx xx kommt die einzigartige Männerfreundschaft zwischen Bukowski und Kinaski – eine Phase, die auch literarisch äußerst fruchtbar war und von manchen Literaturhistorikern sogar mit der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller in Weimar verglichen wird – zu einem ebenso plötzlichen wie tragischen Ende. In der „Lustgrotte“, einer übel beleumundeten Kaschemme im düstersten Viertel von San Diego, kommt es zwischen Kinaski und Bukowski zu einem folgenschweren Streit; beide haben ein Auge auf die damals bereits 72-jährige Schlangentänzerin, Schlammcatcherin, Nacktkellnerin und Edelprostituierte Nora Constrictor geworfen, die im Nachtclub ihren verschiedenen Tätigkeiten nachgeht >>> von blinder Wollust und hartem Alkohol befeuert, prallen die beiden Alphamännchen aufeinander und es kommt, wies kommen muss: es entzündet sich ein wüstes Wortgefecht, das rasch in Handgreiflichkeiten ausartet. Nach einem heftigen Nasenstüber Kinaskis stürzt Bukowski so unglücklich, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden muss, wo er wenige Tage später an inneren Blutungen verstirbt; Kinaski tötet sein literarisches Vorbild, seinen Lehrmeister und väterlichen Freund; Vor Gericht zeigt sich Kinaski reuig; da er aufgrund seines jugendlichen Alters noch nicht voll strafmündig ist, und außerdem zum Tatzeitpunkt aufgrund seines erheblichen Alkoholisierungsgrades nicht zurechnungsfähig war, entgeht Kinaski einer langjährigen Haftstrafe in den Vereinigten Staaten; stattdessen wird er nach Österreich abgeschoben, wo er zwei Jahre im Jugendgefängnis Stein absitzt; in dieser Zeit vollendet er seinen stark autobiographisch gefärbten Romanerstling „Ich und Bukowski“, der dem 22-jährigen Wunderkind den Durchbruch beschert (vgl. Rezensionen zu „Ich und Kaminski“ von Daniel Kehlmann); ein Kritiker versteigt sich sogar zur Behauptung: „Bukowski musste sterben, damit Kinaski leben kann!“; wird mit Preisen überhäuft, der Roman wird in zig Sprachen übersetzt; mit dem plötzlichen Erfolg und dem materiellen Überfluss kann der labile Kinaski nicht umgehen. Er flüchtet noch stärker in den Alkohol als bisher; Esfolgt das berüchtigte Skandalinterview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in dem Kinaski auf sämtliche Fragen lediglich mit „Wein auf Bier, das rat’ ich dir!“ und „Bier auf Wein, das schenk’dir ein!“ antwortet; in dieser Phase gibt e als Berufsbezeichnung „Alkoholiker“ an; in seinen luziden Momenten ist er weiterhin literarisch tätig; in seinen Tagebucheinträgen analysiert er seinen Alkoholismus mit erstaunlicher Klarheit und schonungsloser Offenheit; in dieser Zeit entsteht sein zweiter Roman „Charlie und die Schnapsfabrik“: obwohl es sich um einen phantastischen Roman handelt, ist unverkennbar, dass sowohl die Hauptfigur des Charlie K. als auch die Figur des exzentrischen Millionärs Willi Wodka Züge von Kinaski selbst tragen; Entdeckt die Freuden des Kokainkonsums für sich; der Missbrauch des xx führt dazu, dass die in Kinaskis Charakter ohnehin schon angelegte Tendenz zur Selbstüberschätzung sich zu Egomanie und Größenwahn steigert;<br />
Am Höhepunkt seines Kokainwahns lässt Kinaski seinen eigenen Namenszug mit riesigen Lettern aus reinstem Kokain nachstellen, nur um dieses Kokskunstwerk dann in einer einzigen, nie da gewesenen Orgie mit 700 nackten Liliputanern beiderlei Geschlechts zu vernichten; die Erfahrungen dieser gigantischen und doch zwergenhaften Ausschweifung verarbeitete Kinaski in seiner berüchtigten Novelle „Kleine Nasen im Schnee“, die in 63 Ländern indiziert, in allen übrigen jedoch ein gewaltiger kommerzieller Erfolg wurde. Kinaskis darin aufgestellte Behauptung, dass sein aus Kokain geformter Namenszug auch von der Weltraumstation xx aus lesbar gewesen sei, muss jedoch ins Reich der Mythen bzw. der suchtmittelinduzierten Allmachtsphantasien verwiesen werden.<br />
Über sein Privatleben ist wenig bekannt; neigt zu asozialen, menschenfeindlichen Verhaltensweisen und üblen Marotten: er bewirbt sich (trotz seines fürstlichen Einkommens) regelmäßig für Jobs aller Art, nur um beim Vorstellungsgespräch Fragen wie „Arbeiten Sie gerne mit anderen Menschen zusammen?“ oder „Sind sie ein Teamplayer?“ mit „Nein“, gerne auch „Nein, ich hasse Menschen!“ zu beantworten;<br />
- ruft gerne bei Ticketverlosungen im Radio oder Fernsehen an, auch und gerade dann, wenn die Konzerte ganz woanders stattfinden und er niemals hinfahren wird; ihm geht es nur darum, anderen, am liebsten den größten Fans, die Karten vor der Nase wegzuschnappen; die niemals abgestempelten Tickets, die nach den Tränen tausender enttäuschter Fans schmecken, hortet Kinaski zuhause in einer großen Kiste, die er wie seinen Augapfel hütet;<br />
- 2005 ehelicht er Ortrud, die sich auch Dr. Ortrud oder Dr. Dr. Ortrud nennt, und es als hauptberufliche Verfasserin von Viagra-Spam zu einiger Berühmtheit gebracht hatte; die turbulente Ehe hält nur sechs Tage, trotzdem gehen aus ihr zwei Kinder hervor – nämlich das Zwillingspaar Lohengrin und Siegfried. Der derzeitige Aufenthalt, des nun bald 40jährigen ist unbekannt. Man will ihn aber im Sudan gesehen haben&#8230; </p>
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		<title>„Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!“</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Dec 2009 15:14:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>doma</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Lassen Sie mich durch]]></category>

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		<description><![CDATA[„Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!“
Mit medizinalem Habitus und forschen Bewegungen bahnte sich der junge Herr seinen Weg durch die Menge der Wartenden, die vor dem Kassahäuschen bereits eine lange Schlange bildeten. Der Circus Zanzani hatte seine zerzausten Zelte am Festplatz von Schnarzlreuth aufgeschlagen – und kein Bewohner des kleinen Bergdorfes wollte dieses gesellschaftliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!“<br />
Mit medizinalem Habitus und forschen Bewegungen bahnte sich der junge Herr seinen Weg durch die Menge der Wartenden, die vor dem Kassahäuschen bereits eine lange Schlange bildeten. Der Circus Zanzani hatte seine zerzausten Zelte am Festplatz von Schnarzlreuth aufgeschlagen – und kein Bewohner des kleinen Bergdorfes wollte dieses gesellschaftliche Jahresereignis versäumen. </p>
<p>„Das klappt ja wieder wie am Schnürchen“, dachte der junge Herr zufrieden, während er mittels der eindringlich wiederholten Bitte, ihn doch durchzulassen, er sei schließlich Arzt, erfolgreich eine Bresche in die Schar der Wartenden schlug. Aber er hatte auch gar nichts anderes erwartet – die Arztnummer hatte bisher noch in jedem gottverlassenen wie gottesfürchtigen Nest funktioniert. Warum sollte sie also ausgerechnet hier in Schnarzlreuth nicht an- und einschlagen, bei dieser allem Anschein nach besonders provinziellen Mischung aus Tölpeln und Lumpen, Trampeln und Dirnen, Fleischhauern und Tagelöhnern, verhutzelten Greisen unbestimmbaren Geschlechts und Bauernbälgern pausbäckig-feisten Geblüts? </p>
<p>„Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt!“, forderte der junge Herr ein weiteres Mal, so laut wie möglich und im sonorsten Dr. med.-Bariton, der ihm zu Gebote stand. Zugleich schob er sich selbstbewusst an den letzten Wartenden vorbei bis vors Kassahäuschen. Wie erhofft, hatten sein souveränes Auftreten und seine ärztliche Ausstrahlung beim versammelten Bauernvolk den tiefsten Eindruck hinterlassen. So tief, dass es niemanden zu stören schien, dass der junge Herr nun nichts weiter tat, als ein Billett zu lösen.</p>
<p>Nicht dass er an der Circusvorführung auch nur im Geringsten interessiert gewesen wäre. Trotz seiner jungen Jahre hatte er schon alles gesehen und gehört und gelesen, war ebenso welterfahren wie blasiert, ebenso urban wie gelangweilt, ebenso zynisch wie abgestumpft. Selbst ein viel berühmterer Circus als dieser (und jeder Circus war berühmter als dieser) hätte seinen Pulsschlag nicht im Mindesten erhöht. </p>
<p>Nein, dass er sich nie in einer Warteschlange einreihen musste, war nur ein angenehmer Nebeneffekt seines allabendlichen Ärztedaseins. In Wirklichkeit war es ihm um etwas ganz anderes zu tun: Die zurückgezogenen – und, wie er hoffte, auch adäquat zurückgebliebenen – Ureinwohner sollten ihm als Kontrastmittel dienen, um seine intellektuelle Überlegenheit umso heller strahlen zu lassen. Von diesen einfachen Gemütern erhoffte er sich das, was er am dringendsten benötigte: ein wenig Selbstbestätigung. Eigentlich ging es ihm aber um schnellen, verantwortungslosen Sex. </p>
<p>Und in diesem gnadenlosen Spiel der Hormone und Körpersäfte hatte er heute Abend gute Karten.<br />
Er konnte sie beinahe körperlich spüren, diese heimlichen Blicke voll Bewunderung und Begierde, die die drallen Dorfschnepfen in diesem Moment bereits über seinen athletischen, dennoch über jeden Fitnesscenter-Verdacht erhabenen Chirurgen-Körper und sein kühn geschnittenes, zugleich verständnisvolles Anästhesisten-Antlitz gleiten ließen. Es würde ihm keine größeren Schwierigkeiten bereiten, eine (wer weiß, vielleicht auch zwei?) dieser schwerfälligen, aber gerade in ihrer rohen Plumpheit so ausgesprochen reizvollen Landpomeranzen aufzureißen, abzuschleppen und in irgendeinem Heuschober oder landhausmöblierten Schlafgemach nach allen Regeln der Liebeskunst flachzulegen. Deswegen war er schließlich hier.</p>
<p>Mit seinem feinen Sensorium – und vor allem mit einiger Befriedigung – nahm er die zarten Signale der weiblichen Landjugend auf, die von allen Seiten auf ihn einzuströmen begannen. Nun war es an der Zeit, den Testballon steigen zu lassen – einen halb kecken, halb schüchternen, in Summe also ganz und gar unwiderstehlichen Jungärzteblick, den er großzügig im ganzen Raum verteilte. So wenig er von Medizin verstand, so viel wusste er über die weibliche Psyche provinziellen Zuschnitts. „Arzt“ hieß das Zauberwort, der Schlüssel zu ländlichen Herzen und Keuschheitsgürteln. Die versammelten Jungbäuerinnen  mochten noch so katholisch sein – wenn ein Gott in Weiß auftauchte, konnte Jesus einpacken.</p>
<p>Sein patentierter Augenausdruck, irgendwo zwischen Emergceny Room und Schlafzimmerblick, verfehlte seine (ebenfalls patentierte) Wirkung bei der Damenwelt nicht: Egal, ob die Angesehenen und dadurch Angesprochenen nun kicherten wie Schulmädchen oder lächelten wie die Mona Lisa von Schnarzlreuth, ob sie verlegen die Köpfe senkten oder sich gegenseitig in die Seite stießen, ob sie ihm lässig zuzwinkerten oder seinem Blick tapfer standhielten – die Botschaft, die sie ihm zusandten, war in allen Fällen dieselbe: Sie hatten angebissen. </p>
<p>Zufrieden taxierte der junge Herr die Fischlein, die da in traditioneller Tracht und Pracht an seinem Angelhaken baumelten: Leicht übergewichtig und ebenso leicht unterbelichtet – so waren sie ihm am liebsten. </p>
<p>Höchstwahrscheinlich, dachte er, während er Gesichter und Körpermaße gegeneinander abwog, hielten ihn die Schnarzlreuther Mädchen für den zukünftigen Dorfarzt: Wie seine stets sorgfältigen Recherchen im Vorfeld ergeben hatten, hatte sich der alte Hausarzt, ein gewisser Sigismund Ersatzreifen, im vergangenen Sommer eine Kugel durch den Kopf gejagt. Vermutlich hatte ihn der sprichwörtliche Schnarzlreuther Lichtmangel in Depression und Wahnsinn getrieben, die Sonne versank hier schon am frühen Nachmittag hinter den mächtigen Bergen. Jedenfalls hatte man bis jetzt keinen Nachfolger für seine Praxis gefunden. </p>
<p>Nun, sollten sie in ihm ruhig einen Abend lang ihren Traumdoktor sehen. Morgen früh würde er ohnehin aus diesem jämmerlichen Nest flüchten – und am Abend bereits das nächste ausnehmen. Das Angebot an schwerfälligen, aber leichtgläubigen Dorfbewohnerinnen war groß – ebenso wie seine Nachfrage.<br />
Vielleicht würde es der Auserwählten das Herz brechen, am Morgen danach ganz alleine zu erwachen, ja, er hielt dies sogar für sehr wahrscheinlich, doch das war das Problem der Mädchen und nicht seines. Er hatte stets ausreichende Mengen an echten Schlafmitteln und falschen Telefonnummern in der Tasche, um einen gesicherten Rückzug seinerseits zu gewährleisten.  </p>
<p>Angesichts dieser rosigen Aussichten – und der nicht minder rosigen Bäckchen und Lippen, die ihm aus allen Richtungen entgegenschimmerten – war dem jungen Herrn äußerst leicht ums steinerne Herz, als er den Zuschauerraum betrat. Sexueller Stratege, der er war, wartete er, bis sich die Ränge ein wenig gefüllt hatten und reihte sich dann genau zwischen zwei konkurrierenden Blöcken üppiger Dirndlträgerinnen ein. Das Licht ging aus, die Vorstellung konnte beginnen – nur den lästigen Circusabend musste er noch hinter sich bringen.</p>
<p>Der junge Herr war einigermaßen erleichtert, dass sich das Gros der potentiell paarungsbereiten Weibchen – und mit ihnen auch er selbst – in den hinteren Rängen der Tribüne angesiedelt hatte. Gegenüber den vorderen Reihen war hier das Risiko geringer, vom unvermeidlichen Zauberer oder vergleichbaren circensischen Plagegeistern auf die Bühne gebeten und dort vor aller Augen erniedrigt zu werden – was dem ärztlichen Charme und Glanz des jungen Herrn sicher einigermaßen abträglich gewesen wäre.</p>
<p>Die Vorführung geriet so erbärmlich, wie es einem Circus entsprach, der so tief gesunken war, dass er nun ganz hinauf musste – nämlich hinauf bis in die entlegensten Bergdörfer. Schnarzlreuth mit seinen 1.700 Metern über dem Meeresspiegel markierte den geographischen Höhepunkt und zugleich den kulturellen Tiefpunkt dieser traurigen Tournee. </p>
<p>Unter den schaurig-schiefen Fanfarenklängen eines abgehalfterten, aber auch abgefüllten Blechbläserquintetts, das man vermutlich aus Restbeständen der Heilsarmee zusammengeflickt hatte, betrat Circusdirektor Zanzani die überschaubare Manege. Zanzani entpuppte sich als zwielichtiger Schmierlappen, an dem wohl nur das Toupet echt war – nicht aber der Dalíesk gezwirbelte, pomadetriefende Schnurrbart, nicht die viel zu großen Zähne, über deren strahlendes Weiß sich jeder White-Power-Aktivist schwarz geärgert hätte, und am allerwenigsten der italienische Akzent.<br />
Im leiernden Singsang eines ausrangierten Jahrmarktsbudenbesitzers führte Direktor Zanzani durch den Abend, um, wie er es formulierte, eine „grandissima sensazione“ nach der anderen zu präsentieren.</p>
<p>Den armseligen Auftakt machte eine Tierrevue, deren zweibeinige und vierbeinige Protagonisten allesamt schon bessere Tage gesehen hatten – aber bestimmt keine schlechteren: Da war ein rachitischer Seehund, der einen kleinen roten Ball auf seiner zittrigen Schnauze balancierte (vermutlich war Klebstoff im Spiel); da war ein angejahrter Ackergaul, auf dessen Rücken eine ebenso abgelebte Artistin verzweifelte Voltigierversuche vollführte (den jungen Herrn erinnerte es eher an Seniorengymnastik); da war außerdem ein offensichtlich völlig blinder Elefant, der mit seinem kotverkrusteten Körper mehrfach die Begrenzungen der Manege rammte, nur um sich am Ende den altersschwachen Rüssel zwischen den Zeltstangen einzuklemmen; und zum krönenden Abschluss war da ein arthritischer, fußlahmer Löwe, den der glatzköpfige Dompteur – allem Anschein nach ein perverser Sadist und verkappter Tierschänder – nur mit roher Gewalt durch einen brennenden Reifen bugsieren konnte (von springen konnte angesichts der angegriffenen Physis des Löwen ohnehin keine Rede sein). Da man für diesen unvergleichlichen Programmpunkt sämtliche verfügbaren Nebelmaschinen angeworfen hatte, war es im Übrigen nicht auszuschließen, dass der zottelige, zahnlose Löwen in Wirklichkeit aus zwei zotteligen, zahnlosen Greisen in einem Löwenkostüm bestand.<br />
Doch mochte dem sein, wie ihm wollte, eines stand nun fest: So erbarmungswürdig konnte eine Vorstellung gar nicht sein, dass sie das ausgehungerte Provinzpublikum nicht mit frenetischem Applaus und lautem Gejohle quittiert hätte. </p>
<p>Die dichten Nebelschwaden, die nun von der Bühne in Richtung Zuschauerraum waberten, nützte der junge Herr, um endlich mit seinen Sitznachbarinnen auf Tuchfühlung zu gehen. Du seiner langjährigen Berufserfahrung als praktizierender Facharzt für Doktorspiele wusste er, wie man scheinbar unabsichtliche Berührungen mit absichtsvollen Komplimenten und verstohlene Blicke mit anzüglichen Ärztewitzen so kombinierte und variierte, dass man dem schönen Geschlecht rasch näher kam. Um sicher zu gehen, operierte er mehrgleisig, zunächst nach links und rechts, später auch nach vorne und hinten. </p>
<p>Während zwei gut abgehangene Trapezkünstler die ersten tollkühnen Schwünge durch die Circusluft vollführten – die künstlichen Hüftgelenke krachten wie frische Kaisersemmeln – hatte der junge Herr bereits eine Hand auf dem nackten Oberschenkel zu seiner Linken untergebracht. Nur wenig später – der undurchsichtige Zauberer hatte dem Schnarzlreuther Bürgermeister gerade die Armandbanduhr entwendet – war er auch zu seiner Rechten fündig geworden. Und noch ehe der Magier die Uhr wieder aus seinem Zylinder hervorgezaubert hatte – zum allgemeinen Gaudium, versteht sich – hatte der junge Mann seinen Aktionsradius auf die erste gut gefüllte Bluse ausgeweitet. </p>
<p>Im selben Augenblick als sich in der Manege ein gebrechlicher Schlangenmensch und eine betagte Schlangenfrau verknoteten (wahrscheinlich musste man sie hinterher mit der Bergeschere aus sich selbst befreien), verhakten sich die Beine des jungen Herrn mit denen der jungen Dame, die vor ihm saß. Den Auftritt des berüchtigten Kraftmeiers Samson – einer ehemaligen osteuropäischen Schwerathletin mit brummender Bassstimme und beachtlichem Bartwuchs, die in einem hautengen, altmodisch gestreiften Athletendress steckte und mit ihrem Bizeps Stahlketten sprengte – konnte der junge Herr ganz entspannt verfolgen. Schließlich ruhte sein Kopf zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem einladend-ausladenden Dekolletee seiner Hinterdame.</p>
<p>Vor dem Finale furioso, das der vorbestrafte Clown Pippo und sein Assistent, ein rassistischer Liliputaner namens Norbert, bestreiten sollten, hielt der junge Herr bereits bei einem Griff unter den Trachtenrock, zwei zärtlich geneigten Köpfchen an seiner Schulter, drei ausführlich begrapschten Brüsten und vier wollüstig geflüsterten Zusagen, das interessante Gespräch nach der Vorstellung unter vier Augen fortsetzen zu wollen. Er hatte also die Qual der Wahl …</p>
<p>A propos Qual: Zwischen ihm und den ersten Zungenküssen lagen noch Pippo und Norbert, ein Possenreißer und ein Zwerg – zwei Minderheiten, die dem jungen Herrn gleichermaßen verhasst waren.<br />
Der Clown Pippo, ein mürrischer Griesgram und ausgewiesener Menschenfeind, der wie jeder Angehörige seiner traurigen Zunft zu Schwermut, Jähzorn und Trunksucht neigte, war gleichwohl der Publikumsliebling schlechthin. Das Publikum begrüßte jede seiner Volten mit wieherndem Lachen und großzügigem Szenenapplaus – egal, ob er über seine viel zu großen Schuhe stolperte, auf seinem viel zu kleinen Fahrrad durch die Manege flitzte, mit der Nelke im Knopfloch Wasser verspritzte oder den xenophoben Liliputaner mit Juckpulver und Schachtelteufeln traktierte. An seiner Popularität war nicht zu rütteln – trotz des deutlich sichtbaren Gummibandes, mit dem seine Lustige Rote Nase befestigt war, trotz der der deutlich riechbaren Schnapsfahne, die bei jedem „Ätschibätsch“ oder „Hihihi“ durch das Circuszelt wehte, und trotz Pippos krankhafter Schweißausbrüche, die dafür sorgten, dass die weiße Schminke des Brachialkomikers bereits nach wenigen Späßen den Bach hinunterging.  </p>
<p>Mochte Norbert auch mit launigen Gastarbeiterparodien punkten – der unumschränkte Star des Abends hieß Pippo, da waren sich die Zuschauer einig. Irgendetwas – vielleicht der Schalk in seinem Nacken, vielleicht der Alk in seinem Magen – trieb den Clown von einem komischen Höhepunkt zum nächsten. Dieser Faxenmacher war einfach immer für eine Überraschung gut, man konnte nie wissen, was er als nächstes anstellen würde. </p>
<p>Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, fasste sich Pippo plötzlich an die Brust, brach mit einem heiseren Schrei zusammen und begann, sich röchelnd auf dem Boden hin- und herzuwälzen, dass die Sägespäne nur so staubten. Das Publikum bog sich vor Lachen und bedachte die spektakuläre Einlage mit euphorischem Applaus! Was für ein Hauptspaß! Was für ein Erzschelm!  </p>
<p>Dass nun auf einmal Direktor Zanzani in die Manege stürmte und sich über den zusammengekrümmten Pippo beugte, bekam der junge Herr nicht einmal am Rande mit. Zu sehr war er mit der anspruchsvollen Aufgabe beschäftigt, die reschen Jungbäuerinnenhände, die sich von allen Seiten seinem Schritt näherten, so zu koordinieren, dass keine etwas von ihren Nebenbuhlerinnen mitbekommen würde. Auch dem kleinen Norbert, der wie ein Gummiball auf- und abhüpfte und dazu kreischte wie ein Baby am Spieß, ließ er zunächst keine ausreichende Beachtung zuteil werden. Wie gesagt, er hatte alle Hände voll zu tun. </p>
<p>Aus seinem diffizilen Manual- und Sexualmanagement wurde der junge Herr erst aufgeschreckt, als sich Direktor Zanzani vollkommen aufgelöst – und vollkommen akzentfrei – an die Circuszuschauer wandte: „Ein Arzt! Ist hier ein Arzt im Publikum?“</p>
<p>Noch im selben Augenblick löste sich ein halbes Dutzend Hände vom Körper des jungen Herrn, Hände, die nun in die Höhe schnellten und sich in riesige Zeigefinger verwandelten. „Hier! Hier sitzt ein Arzt!“, riefen die Mädchen aufgeregt und deuteten, zitternd vor Erregung, auf ihren zum Eiszapfen erstarrten Sitznachbarn. </p>
<p>Hunderte Köpfe fuhren herum, in Dutzenden Augen blitzte Erkennen auf und zahllose Stimmen erhoben sich aus dem Auditorium. „Sieh doch nur!“ „Wo?“ „Der da drüben ist es!“ „Ach der, der ist aber hübsch!“ „Der junge Herr ist Arzt!“ „Woher willst du das wissen?“ „Ich habe es doch selbst gehört.“  „Ich bin ganz in seiner Nähe gestanden!“ „Mir hat es sogar selbst gesagt: Lassen Sie mich durch, hat er gesagt, denn ich bin Arzt!“ „Mama, was ist ein Arzt?“ „Nun kommen Sie schon, Herr Doktor, ein Patient wartet auf Sie!“, „Gehen Sie nur rasch hinunter!“, „NUN GEHEN SIE DOCH SCHON!“ Die letzten und lautesten Aufrufe kamen von den Sitznachbarinnen des jungen Herren, die ihm ins Ohr brüllten, wie wild an seiner Kleidung zerrten und voller Ekstase seine Handgelenke umklammerten. Es hatte fast etwas von einem leidenschaftlichen Liebesspiel – aber für den jungen Herrn fühlte es sich eher an wie die Martern der Hölle.</p>
<p>Das ölig glänzende Antlitz des Circusdirektors hatte sich schlagartig aufgehellt (was, in anderer Hinsicht, übrigens auch auf das schreckensbleiche Gesicht des jungen Herrn zutraf). „Herr Doktor, Sie schickt der Himmel“, seufzte Zanzani voll Erleichterung ins Mikrophon, „ein Glück, dass Sie hier sind. Darf ich Sie nun bitten, zum armen Pippo in die Manege zu kommen und ohne weiterer Umschweife mit der Behandlung zu beginnen? Jede Sekunde zählt. Aber das wissen Sie ja selbst am besten.“ </p>
<p>Auf einen kurzen Wink des Circusdirektors wurde der stärkste Scheinwerfer direkt auf den jungen Mann gerichtet. „Signore e signori“, rief Zanzani feierlich und fiel dabei kurzfristig in sein übertriebenes Circus-Italienisch zurück, „würden Sie nun wohl so freundlich sein, diesen jungen Herrn durchzulassen?  Er ist Arzt“, fügte er erklärend hinzu.<br />
Wie auf Kommando teilten sich die Stuhlreihen. Binnen Augenblicken entstand zwischen dem jungen Herrn und der Manege eine Schneise, durch die der Arzt auf schnellstem Wege zu seinem Patienten gelangen konnte. Dem jungen Herrn erschien die Schneise freilich eher wie ein bedrohliches Spalier, durch das er nun seinen letzten Gang antreten musste. </p>
<p>Benommen taumelte der junge Herr los. Langsam, wie ein Schlafwandler, der in einem bösen Traum gefangen ist, tappte er zwischen den Stuhlreihen hindurch, immer noch wie vom Donner gerührt. Seine Knie schlotterten, in seinen Ohren rauschte das Blut, er konnte keinen klaren Gedanken fassen – außer dem dringenden Bedürfnis, aufs Klo zu gehen. Instinktiv hatte er den Kopf eingezogen, dennoch trafen ihn die erwartungsvollen Blicke wie Feuerpfeile.     </p>
<p>Erst als er den Clown erblickte, der sich leise wimmernd am Boden wand, die Hände in Todesqualen um den Brustkorb gekrampft, erwachte der junge Herr aus seiner Betäubung. Sein Gehirn nahm wieder den Betrieb auf – und wie um die verlorene Zeit wieder aufzuholen, arbeitete es nun mit doppelter Geschwindigkeit. Blitzschnell überschlug er seine Möglichkeiten: Er konnte natürlich versuchen, einige Alibi-Handgriffe an dem sterbenden Spaßmacher vorzunehmen, um, wenn schon nicht den Clown, so doch zumindest die Situation zu retten. Dagegen sprachen vor allem drei Dinge: Erstens lag der 12-stündige Erste-Hilfe-Kurs, den er gezwungenermaßen absolviert hatte, um endlich an den Führerschein zu kommen, mindestens zehn Jahre zurück (und schon damals hatte er sich bei Unfallsimulationen bis auf die Knochen blamiert).<br />
Zweitens erschien es ihm, der er ein wahrer Kuss-Feinschmecker war, wenig reizvoll, an diesem zuckenden, spuckenden Etwas mit der roten Gumminase eine Mund-zu-Mund-Beatmung zu vollziehen (oder was immer sonst in einem Fall wie diesem angebracht war, von dem er nicht einmal wusste, um was für einen Fall es sich überhaupt handelte).<br />
Drittens verabscheute er, wie jeder aufgeklärte Mensch, Clowns und ähnliche Witzbolde aus tiefster Seele – und er hatte nicht vor, das jetzt auf einmal zu ändern.</p>
<p>Also blieb nur die andere Option – die Hilfeleistung unterlassen, flüchten und den lustigen Pippo mitten in der Manege verrecken lassen. Das Porsche-Coupé des jungen Herrn stand gut versteckt hinter dem alten Sägewerk – mit etwas Glück konnte er es bis dorthin schaffen. Mit der geballten Durchzugskraft von 411 PS würde er diesen alpinen Albtraum rasch hinter sich lassen und sämtlichen Hinterwäldlern dieser Weltgegend für immer den Rücken kehren.   </p>
<p>Aber dazu musste er handeln – und zwar jetzt.</p>
<p>„Ich hole nur schnell meine Instrumente aus dem Wagen“, sagte der junge Herr mit fester Stimme.<br />
„Was für Instrumente?“, fragte Direktor Zanzani ungeduldig.<br />
„Na, Sie wissen doch, was wir Ärzte immer mit uns herumführen“, entgegnete der junge Herr jovial, „Ärzte-Sachen eben. Ich habe den ganzen Kofferraum voll davon“.<br />
„Ist das wirklich der richtige Zeitpunkt?“, fragte Zanzani, „Dieser Clown hier liegt im Sterben.“<br />
„Keine Widerrede“, sagte der junge Herr freundlich, aber bestimmt, „ich bin hier der Arzt. Also lassen Sie mich jetzt bitte durch.“</p>
<p>Widerwillig murrend gab die Menge den Weg frei. Der junge Herr schritt rasch, aber ohne allzu offensichtliche Hast, dem Ausgang zu. Die wenigen Schritte erschienen ihm wie Kilometer, die stickige, erhitzte Circusluft drohte ihn zu ersticken. Als er endlich aus dem Circuszelt ins Freie trat, atmete er tief durch. Frische Nachtluft durchströmte seine Lungen. Im selben Moment begann er zu laufen. </p>
<p>Leider waren ihm einige besonders misstrauische Zirkusbesucher heimlich ins Freie gefolgt. Als sie ihn nun Hals über Kopf davonrennen sahen, wussten sie alles – und schlugen sofort Alarm. Zwei lang gezogene Pfiffe, mehr brauchte es nicht, um die Meute der Dorfbewohner aus dem Circuszelt zu holen und augenblicklich in Bereitschaft zu versetzen. „Fangt ihn!“, rief irgendwer – gefolgt von einem zustimmenden Grunzen aus hunderten Kehlen.</p>
<p>Das war das Jagdsignal – die Menschenhatz war eröffnet.</p>
<p>So langsam und träge die Dorfbewohner im Denken und Sprechen sein mochten, so rasch waren sie offenbar mit der Selbstjustiz bei der Hand. Als sich der junge Herr zum ersten Mal keuchend umdrehte, hatte sich bereits ein kleiner Stoßtrupp an seine Fersen geheftet – und dahinter folgte, wie eine schwarze Wand, der geballte Volkszorn der Dorfgemeinschaft.</p>
<p>Der nächste angstvolle Blick ergab ein noch viel schaurigeres Bild: Es musste mit dem Teufel zugegangen sein. Denn da waren plötzlich Sensen in den Händen der Dorfbewohner – und Mistgabeln und Spieße und Sicheln – ganz so, als habe der Landsturm von 1809 nie die Waffen gestreckt. Hunde wurden von der Leine gelassen, Suchtrupps schwärmten in alle Richtungen aus. Im flackernden Fackelschein tanzten wutverzerrte Fratzen. Und sie schrieen.<br />
Trotz seines pfeifenden Atems und seiner polternden Schritte konnte der junge Mann jedes Wort verstehen: „Bringt ihn her!“ „Hängt ihn höher!“ „Spießt ihn auf!“ „Schlagt ihn zu Brei!“ „Schleift ihn zu Tode!“, „Überrollt ihn!“</p>
<p>Letztere Lynchtechnik begriff der junge Herr erst, als er hörte, wie kraftvolle Motoren und schwere Zugmaschinen in Gang gesetzt wurden. Offensichtlich wollten die ortsansässigen Jungbauern beweisen, dass die antriebsstarken Multifunktionstraktoren aus den Edelschmieden von Fendt oder John Deere nicht nur zur Feldarbeit und als Penisersatz dienten, sondern auch dazu, falsche Ärzte  und Clownmörder zu Knochenmehl zu zermalmen.</p>
<p>Mit einem Schlag erlosch die gesamte Haus- und Straßenbeleuchtung. Bis auf die tastenden Lichtfinger der Traktoren und die orangen Lichtpunkte der Fackeln war es nun völlig finster. Binnen Sekunden hatte der junge Herr die Orientierung verloren. Seinen Wagen konnte er vergessen, den würde er im Leben nicht mehr finden – zumindest nicht in diesem Leben. </p>
<p>Kurz spielte der junge Herr mit dem Gedanken, seine Flucht querfeldein fortzusetzen. Doch die Aussichtslosigkeit eines solchen Unterfangens wurde ihm sofort und in aller Schmerzlichkeit bewusst: Das enge Hochtal war nach allen Seiten hin von schroffen Gebirgszügen umschlossen, Pässe oder Schluchten gab es nicht. Und der waffenstarrende Pöbel rückte immer näher: Immer enger schloss sich der Kreis – wie eine Schlinge um seinen Hals. Was sollte er also tun?  </p>
<p>Es gab nur einen einzigen Ausweg: Er musste sich zu Fuß bis zur Brücke durchschlagen, die das kleine Bergdorf mit der Außenwelt verband – und zwar bevor ihm der mörderische Mob den Weg (und auch sonst noch so einiges) abschneiden konnte. Zum Glück war auf der Brücke – die aufgrund ihrer Schwindel erregenden Höhe übrigens sowohl bei Touristen als auch bei Selbstmördern lebhaften Anklang fand – zumindest noch die Notbeleuchtung intakt. So stand dem jungen Herrn das Ziel seines Lebens wenigstens klar vor Augen.<br />
Ohne noch länger zu zaudern und zu zögern, rannte er los, rannte, wie er noch nie in seinem Leben gerannt war, denn genau das war es, worum er rannte. Sein Leben. </p>
<p>Doch so schnell er auch rannte, die anderen waren schneller. Sie hatten seinen allzu offensichtlichen Fluchtplan längst durchschaut, saßen ihm im Nacken wie der Schalk dem seligen Pippo und kamen Zug um Zugmaschine näher, mit heiseren Schreien und heiseren Motoren. </p>
<p>Irgendwie und irgendwann erreichte er doch noch die rettende Brücke. Mit monumentaler Macht überspannte sie den gähnenden Abgrund, ein in Beton gegossener Gigant. Im selben Moment hatten sie ihn eingeholt. Er war verloren.</p>
<p>Eigentlich kaum zu glauben, dachte er, während er im gleißenden Scheinwerferlicht seiner Verfolger auf die Brücke hinaus rannte wie auf einem weißen Teppich, kaum zu glauben, dass er hier sterben würde, ausgerechnet hier in Schnarzlreuth. Vor nicht einmal einer Stunde hatte er das Dorf gedanklich in „Schnaxlreuth“ umgetauft, seinen innigsten Gefühlen entsprechend. Nun würde er es – seinen innigsten Gefühlen entsprechend – noch einmal umtaufen müssen: in „Schnetzlreuth“. </p>
<p>Aber nur wenn sie ihn lebend bekamen – und genau das musste er verhindern. </p>
<p>Mit letzter Kraft stürzte er sich auf die Aussichtsplattform, auf der man bei Tageslicht einen wahrhaft majestätischen Panoramablick über die ganze Region genießen konnte. Doch nun war es Nacht. Daher standen auf der Plattform auch keine Reisegruppen oder Pensionistenvereine – nur eine etwas füllige junge Dame.</p>
<p>Ihr pechschwarzes Burgfräuleingewand und ihr nicht minder nachtschwarzes, gewissermaßen antiblondiertes Haar ließen das bleich geschminkte Mondgesicht besonders gut zur Geltung kommen. Vom gekalkten Gesicht hoben sich wiederum die dunklen Augenhöhlen und schwarzen Lippen auf das Geheimnisvollste ab. Und wie es sich für ein anständiges Mädchen aus der Schwarzen Szene gehörte, hatte der morbide Barockengel natürlich die beste Suizid-Position in Beschlag genommen: Dort, wo es am niedrigsten war, hatte die dunkle Dame das Brückengeländer erklommen. Und genau da stand sie nun, körperlich ebenso schwankend wie in ihren Selbstmordabsichten – und konnte sich einfach nicht entschließen.      </p>
<p>Ungeduldig und, ja, auch ein wenig unsanft, packte der junge Herr die junge Dame am Schnürkorsett und pflückte sie, einer schwarzen Rose gleich, recht ungestüm vom Brückengeländer. „Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt“, erklärte er der einigermaßen konsternierten Frau, nur um daraufhin mit erheblicher Mühe und erheblichem Todesmut ihre Position auf dem Geländer einzunehmen. Das entsetzliche Wutgeheul in seinem Rücken kam jedoch nicht von der verhinderten Selbstmörderin, sondern vom ländlichen Lynchmob mit seinen metallblitzenden Mordmaschinen. </p>
<p>Eine Sekunde, bevor ihn die ersten Bauernburschen packen und mit Äxten und Sägen, Spaten und Spießen, Zähnen und Klauen über ihn herfallen konnten, stürzte sich der junge Herr in die unendliche schwarze Tiefe.    		          </p>
<p>(…)  </p>
<p>Erstaunlich, was so ein Fettfleck noch alles mitbekommt.</p>
<p>Wer hätte beispielsweise gedacht, dass jemand, der wie eine ausgequetschte Senftube am Fuße eines Brückenpfeilers klebt, noch die Autoscheinwerfer spürt, die ihn abtasten? Dass er noch die Schaulustigen wahrnimmt, die sich um ihn scharen? Dass er auch das Blaulicht bemerkt, das plötzlich die Nacht durchzuckt? Dass er sogar den jungen Herrn verstehen kann, der sich nun den Weg durch die neugierige Menge bahnt? Dass er sogar den Satz wieder erkennt? „Lassen Sie mich durch, ich bin …“</p>
<p>Zugegeben, das Ende des Satzes hat er nicht mehr miterlebt. Aber er kann es sich denken. Oder auch nicht. Denn wir wissen nicht, ob Tote noch denken.  </p>
<p>Ebensowenig können wir wissen, was sich noch in derselben Nacht in einer anderen Dimension zutragen wird. Wir sind also auf Spekulationen angewiesen: Vermutlich wird da ein junger Herr sein. Mit medizinalem Habitus und forschen Bewegungen bahnt er sich seinen Weg durch die Menge, die vor dem Kassahäuschen bereits eine lange Schlange bildet. Selbstbewusst schiebt er sich an den letzten Wartenden vorbei – und sagt zu Petrus, was er auch zu allen anderen gesagt hat. </p>
<p>Aber das müssen wir an dieser Stelle wohl nicht mehr wiederholen.  </p>
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		<title>Der schwarzgoldne Flügel der Melancholie</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Dec 2009 20:23:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>giulia</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Der schwarzgoldne Flügel der Melancholie]]></category>

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		<description><![CDATA[ 
Mich streifte der schwarzgoldne Flügel der Melancholie.
Ganz sanft.
Ganz zart.
 
Und die alten Dämonen erschienen in all ihren Farben vor mir.
Ganz mächtig.
Übergroß.
Sie wollten ihr Winternest weben;
In meinem Schoß.
 
Hinweg ihr Gespinster aus fernen Nächten!
Hinweg und Adieu!
Hinweg ihr Gespenster finstrer Mächte!
Au diable! MON DIEU!
 
Mich streifte der schwarzgoldne Flügel der Melancholie.
Ganz sanft.
Ganz zart.
Ganz leis.
 
Und die alten Dämonen entschwanden,
Lautlos.
Wohin? Wer weiß?
 
Mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> </p>
<p>Mich streifte der schwarzgoldne Flügel der Melancholie.</p>
<p>Ganz sanft.</p>
<p>Ganz zart.</p>
<p> </p>
<p>Und die alten Dämonen erschienen in all ihren Farben vor mir.</p>
<p>Ganz mächtig.</p>
<p>Übergroß.</p>
<p>Sie wollten ihr Winternest weben;</p>
<p>In meinem Schoß.</p>
<p> </p>
<p>Hinweg ihr Gespinster aus fernen Nächten!</p>
<p>Hinweg und Adieu!</p>
<p>Hinweg ihr Gespenster finstrer Mächte!</p>
<p>Au diable! MON DIEU!</p>
<p> </p>
<p>Mich streifte der schwarzgoldne Flügel der Melancholie.</p>
<p>Ganz sanft.</p>
<p>Ganz zart.</p>
<p>Ganz leis.</p>
<p> </p>
<p>Und die alten Dämonen entschwanden,</p>
<p>Lautlos.</p>
<p>Wohin? Wer weiß?</p>
<p> </p>
<p>Mich streifte ein goldener Flügel</p>
<p>Einem Engel gleich.</p>
<p>Und flüsterte: Vergiss das Üble,</p>
<p>Dein ist das Himmelreich!</p>
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		<title>We are. Are we?</title>
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		<comments>http://www.schreibclub.cc/?p=611#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 21:40:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>astra</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[We are. Are we?]]></category>

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		<description><![CDATA[We are
We are part
We are part of the collective
Sleep is inefficient
Meditation is unsafe
Peace is wasteful
Fear is fuel
Greed is growth
Need is necessary
Humor is fruitless
Play is poison
Worship work!
You
You will be
You will be assimilated
Resistance is futile
Is it?
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>We are<br />
We are part<br />
We are part of the collective</p>
<p>Sleep is inefficient<br />
Meditation is unsafe<br />
Peace is wasteful</p>
<p>Fear is fuel<br />
Greed is growth<br />
Need is necessary</p>
<p>Humor is fruitless<br />
Play is poison<br />
Worship work!</p>
<p>You<br />
You will be<br />
You will be assimilated<br />
Resistance is futile</p>
<p>Is it?</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Luzia und der Fünfsterne-Hamam</title>
		<link>http://www.schreibclub.cc/?p=603</link>
		<comments>http://www.schreibclub.cc/?p=603#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Dec 2009 20:55:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>astra</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Astra Kinastra]]></category>

		<category><![CDATA[Luzia und der Fünfsterne-Hamam]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein psychohygienisches Dramolett in zwei Akten
I. Akt
Bühne: Die Protagonistin, stark geschminkt und lasziv gekleidet, sitzt auf einem roten Samtsofa und trägt ihren Monolog vor. Im Hintergrund laufen die von ihr erzählten Episoden als schwarz-weiß-rote Scherenschnitt-Dioramen ab.
Luzia ist mein werter Name.
Ich bin eine junge Dame
Welche tut, was ihr gefällt.
Anders als der Rest der Welt.
Nein, ich bin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein psychohygienisches Dramolett in zwei Akten</p>
<p><strong>I. Akt</strong><br />
<em>Bühne: Die Protagonistin, stark geschminkt und lasziv gekleidet, sitzt auf einem roten Samtsofa und trägt ihren Monolog vor. Im Hintergrund laufen die von ihr erzählten Episoden als schwarz-weiß-rote Scherenschnitt-Dioramen ab.</em></p>
<p>Luzia ist mein werter Name.<br />
Ich bin eine junge Dame<br />
Welche tut, was ihr gefällt.<br />
Anders als der Rest der Welt.</p>
<p>Nein, ich bin kein braves Mädchen<br />
Im Getriebe Sand, nicht Rädchen<br />
Zart und zotig, hold und heiß<br />
Mein kleines Herz so kalt wie Eis.</p>
<p>Süße siebzehn, blondes Gift<br />
Die, wenn Amors Pfeil sie trifft<br />
In eine Boa sich verwandelt<br />
und mit der Beute nicht verhandelt.<br />
Alsdann rette sich, wer kann<br />
Das Opfer ist gewiss ein Mann.</p>
<p>Nun liegt’s in der Natur der Sache<br />
Das männliche Geschlecht, das Schwache<br />
Kann dem Trieb nicht widerstehn<br />
Muss deshalb früher von uns gehn.<br />
Ob Bankdirektor oder Jäger<br />
Psychologe, Schornsteinfeger</p>
<p>Nicht einer ist davor gefeit<br />
Ein jeder fällt zu seiner Zeit<br />
In Gruben, die er selbst gegraben.<br />
Wollt sich doch nur am Obste laben<br />
Äpfel, Birnen, Zwetschken stehlen<br />
Arme Mädchenseelen quälen -</p>
<p>Alle hab ich sie gerächt<br />
Die Trefferquote war nicht schlecht.</p>
<p>Einer war ein rechter Pascha<br />
Mit Namen hieß er, glaub ich, Sascha<br />
Der spielte gerne Kommandant<br />
Ich schubste ihn vom Klippenrand.</p>
<p>Ein andrer wollte mich betrügen<br />
Sich verstecken hinter Lügen<br />
Ihm kocht’ ich Tafelspitz mit Kren<br />
In seiner Soße war Arsen.</p>
<p>Der Nächste war ein Schlägertyp<br />
Am Anfang tat er gar so lieb.<br />
Später wurde es nicht besser<br />
Da blieb mir nur das Fleischermesser.</p>
<p>Dann war da noch der Workaholic<br />
Genügsam wollt er mich, und mollig<br />
Beides wollte ich nicht sein<br />
Ich stellte ihm am Berg das Bein.</p>
<p>Ein weiterer war fad wie Brot.<br />
Da wurd’ ich bös, da sah ich rot.<br />
Den Zorn bekam ich in den Griff<br />
Mit Meuchelmord am Kreuzfahrtschiff.</p>
<p>Nicht zu vergessen der Sadist<br />
Egomane, Pessimist<br />
Er wollte meinen Willen brechen<br />
Mit Stäbchen musst’ ich ihn erstechen.</p>
<p>Der letzte, der war paranoid<br />
Hochneurotisch, schizoid<br />
Ich nahm ihm die Tabletten weg</p>
<p>Er erhängte sich, oh Schreck.<strong></strong></p>
<p><strong>II. Akt</strong><br />
<em>Bühne: Die Hauptdarstellerin liegt in einem Whirlpool. Überall brennen rote Kerzen und Räucherstäbchen. Im Hintergrund wieder die Dioramen.</em></p>
<p>Dann kam der Tag, an den ich heute<br />
Noch gerne denke: Große Beute!<br />
Da ging ein Dämon mir ins Netz<br />
Magnetismus: das Gesetz<br />
Groß und schlank und schwarz und schön<br />
Mit Flügeln, stattlich anzusehn.</p>
<p>Und ehe er sich’s recht versah<br />
War ich seine Domina.</p>
<p>Doch halt: Ich konnte ihn nicht quälen<br />
Zu ähnlich waren unsre Seelen<br />
Auch er tat nur, was ihm gefiel<br />
Das zeigte sich beim Liebesspiel.</p>
<p>Verdiente er es nun zu leben?<br />
Das Todesurteil aufzuheben<br />
Nein, das war ich nicht gewohnt<br />
Männer werden nicht verschont.</p>
<p>Das Schicksal sollte dies entscheiden<br />
Entweder das Band zerschneiden<br />
Oder uns für immer binden<br />
Weil kein besserer zu finden.</p>
<p>Um Dämons Hingabe zu testen<br />
Würde ich mit Heizölresten<br />
Ein Feuer legen in dem Haus<br />
Und schreien dann: Hol mich hier raus!</p>
<p>Nun goss ich Kannen voll Benzin<br />
Überall im Hause hin<br />
Packte meine Siebensachen<br />
Um dann die Flammen zu entfachen.</p>
<p>Beim letzten Tropfen justament<br />
Kam er zurück: Falscher Moment!</p>
<p>Der Dämon, der war sensitiv<br />
Doch eines war er nicht: naiv.</p>
<p>Er durchschaute mich sofort<br />
Und brachte mich an einen Ort<br />
Wie geschaffen für ein Mädchen<br />
Das Sand sein will, kein keusches Rädchen.</p>
<p>Ein Hamam der ersten Güte<br />
Und die Masseure – Gott behüte<br />
Die verstanden ihre Kunst<br />
So erwirbt man meine Gunst.</p>
<p>Rundherum ein Flammenmeer<br />
Meterhoch, das wärmte sehr<br />
Mein Herz, das einst so tief gefroren<br />
Hat seine Frostigkeit verloren.</p>
<p>Dämons Brüder schürn die Glut<br />
Wallend, wogend kocht mein Blut<br />
Und siehe da, die Männerschar<br />
Die ich ermordet wunderbar<br />
Auch sie sind hier in neuer Tracht<br />
Putzmänner sind sie: Welche Pracht.</p>
<p>Wer noch nie in der Hölle war<br />
Zu empfehlen: Die Inferno-Bar.<br />
Feuerwasser, Met und Wein<br />
Diktatoren schenken ein.</p>
<p>Auch ein Stripclub ist vorhanden<br />
Sollten später Sie dort landen<br />
Sei zur Warnung nur gesagt<br />
Sünder sind hier sehr gefragt.<br />
Die Stripper sind Investmentbanker<br />
Mädchenhändler oder Henker.</p>
<p>Ja, in der Hölle lässt sich’s leben<br />
Böse Mädchen siegen eben.</p>
<p>Indes im Dampfbad-Hinterzimmer<br />
Ich und Dämon: eins für immer.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die neue Zotigkeit</title>
		<link>http://www.schreibclub.cc/?p=587</link>
		<comments>http://www.schreibclub.cc/?p=587#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 Dec 2009 18:21:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>klippo</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>

		<category><![CDATA[Die neue Zotigkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Das lange Warten hat ein Ende,
Die Sehnsucht wird gestillt,
Es giert und geifert die Zotigkeit,
Jung, feinporig und wild.
 
Werft euch in eure schwärzesten Kleider,
Legt die Tugendhaftigkeit in Ketten,
Im Land der Venus regiert allein die Lust…
 
Willkommen im Zeitalter der neuen Zotigkeit!
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das lange Warten hat ein Ende,</p>
<p>Die Sehnsucht wird gestillt,</p>
<p>Es giert und geifert die Zotigkeit,</p>
<p>Jung, feinporig und wild.</p>
<p> </p>
<p>Werft euch in eure schwärzesten Kleider,</p>
<p>Legt die Tugendhaftigkeit in Ketten,</p>
<p>Im Land der Venus regiert allein die Lust…</p>
<p> </p>
<p>Willkommen im Zeitalter der neuen Zotigkeit!</p>
]]></content:encoded>
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