Eiskalter Abschied

giulia

Mit tausenden  salzigen Tränen hatte sie ihre zerbrochenen Ehe, ihre Hoffnungen und Illusionen unter den Schneemassen begraben.
So wie der Schnee sollte auch ihr Leben zerrinnen.
Freudlos, schmerzlos, elegant.
Zwar war der Tag ihrer Scheidung der 21. März -der Beginn des -Frühlings-
sie aber erteilte allem hoffnungsfrohen naiven Frühlingssprießen und Frühlingsregungen eine klare Absage.
 
Adieu Liebe!
Adieu Vertrauen!
Adieu Lust und Leidenschaft!
 
Kurz und gut:
Adieu Lebenslust!
 
Auf die Liebe hatte sie gerne mit einem Glas Wein angestoßen.
A tes amours!
A ta folie!
 
Ach ja, die Verrücktheit.
Die galt es auch zu vernichten!
 
Gott schütze mich vor der Verliebtheit!
Gott schütze mich vor den Irrungen und Wirrungen der Liebe!
So lauteten die Fürbitten , die  sie stündlich Richtung Himmel betete.
 
Bewahre mich vor der Versuchung, raunte sie der Mutter Gottes fast zärtlich ins Ohr.
 
Sich absolut und umfassend gegen die Liebe zu wehren, erschien ihr die ideale Strategie.
 
Alle schönen Erinnerungen schmerzten und der Schmerz glich einem Minenfeld.
 
Ein Blick auf ein Foto und ihr Körper verwandelte sich in Dynamit, brannte, schmerzte, explodierte.
 
Erinnerungen galt es auszumerzen- was immer das bedeutete.
 
Sie verbannte alle Fotoschachteln aus ihrer Wohnung, warf das Geschirr an die Wand und ließ alle Wände übertünchen.
 
Mit freudlosem Weiß.
 
Als könnte sie die mediterrane Leuchtkraft und Wärme ihrer alten Wände auf diese Art ersticken.
 
Weiß sollte alles sein.
 
Weiß und rein.
Weiß und fad.
Weiß wie der Schnee,
der eine weiche Decke des Vergessens über ihre Seele breiten möge.
 
Langsam schien sie eine imaginäre Wand um sich aufzubauen.
 
Unsichtbar für die anderen, aber eiskalt.
 
Und liebesfeindlich.
 
Sie spürte ihren Atem kühler werden….