Der Schreibclub kocht – Schlemmen aus dem dunkelbunten Zuber der Inspiration
klippo
Wie jedes Jahr lockte auch heuer wieder das traditionelle Wettkochen des Kufsteiner Schreibclubs zahlreiche Schaulustige und Leckermäuler an.
Harri von Schwängel (Sohn), frisch entborstet und entzottet, überraschte das Publikum nicht nur mit seinem adretten Auftreten, sondern auch mit einer feinzüngig auf den Punkt kandidelten Komposition der Haute Cuisine, bestehend aus pointiert abgeschmeckten Lauchspitzen in Sauce Vinaigrette, einem herzhaft gebratenenen Onglet à l’échalote im Rotweinsud und letztlich einer raffiniert mit Minzblättchen und Senfkörnern veredelten Quiche Lorraine. Das Publikum zeigte sich durchwegs überrascht über Schwängels Gekämmtheit, ja schien fast ein wenig brüskiert: Man hatte sich zumindest ein paar in Knoblauch und Olivenöl gegarte Maden erwartet.
Klippo Kraftwerk tauchte erst gar nicht auf, schickte aber als Vertretung seine zwei missratenen Vettern Klippo Kleingeld und Pippo Zanzani. Klippo Kleingeld, zweifellos ein scheußlicher Mensch, aber äußerst begabt als Küchenjunge, assistierte dem leidenschaftlich aufkochenden Zanzani mit geschäftiger Besonnenheit. Den Knalleffekt gab es dann, als der übergeschnappte Zirkusdirektor im wahrsten Sinn des Wortes die Bombe platzen ließ: Er stopfte seine Zirkuskanone mit den Gängen des Menüs und feuerte einen bunten Brei aus Crostini, Farfalle, Gamberoni, Prosciutto und Tiramisu direkt auf das Publikum ab. Eine Großzügigkeit, die ihm dieses mit begeistertem Schmatzen und lautstarken Kaugeräuschen dankte.
Dann betrat Tina Trash mit einer Taube in der Hand das Podium und biss dem zerrupften Federvieh mit einem ungestümen Schnapp bei lebendigem Leib den Kopf ab. Unter den erschrockenen Blicken der Menge rupfte, entweidete und entflachste sie den überraschten Vogel in Windeseile, marinierte ihn mit Salz und Pfeffer und begann ihn über dem Feuer eines Lötkolbens knusprig zu rösten. Zwei Minuten später noch ein Klecks Ketchup und Mayo drauf und schon war das Stadthuhn wohlbekömmlich und verzehrbereit.
Weitaus aufwändiger ging es da schon bei Astra Kinastra zu: Sie hatte von jedem Tierkreiszeichen eines gesammelt und es mit dem dazugehörigen Weibchen bis in die siebte Generation fortgepflanzt, um dann jeweils den siebten Spross des siebten Sprosses in einem großen Zuber zu einem Eintopf zu verkochen. Einmal genossen würde das Ragout nicht nur ewiges Leben schenken, sondern auch die Balance im Weltall herstellen und im Sinne des Satori im buddhistischen Zen zum Allheilmittel allen Lebens im Universum werden. Leider war die Suppe versalzen und konnte die Kritiker daher nur mäßig überzeugen.
Als Nächster war Doma Mischanig an der Reihe, der - wie alle böhmischen Küchenmeister – zwar gut, aber auch unglaublich fettig kochte, womit er es sich vor allem mit den Damen im Publikum verscherzte, die das deftige Balkanessen fürchteten wie der Teufel das Weihwasser. Mischanig kümmerte dies wenig und er knallte den feisten Bürgersfrauen eine Wagenladung voll Butterkroketten in Graupelschmalzsoße vor den Latz. Zweifellos eine Provokation sondergleichen, die das Publikum mit lauten Buhrufen quittierte, was wiederum Mischanig dazu veranlasste mit einem süffisanten Kratzfuß eilig im nächsten Weltraumtaxi nach Alpha Centauri zu verschwinden.
Giulia Essanija, das kämpferische Weib, kochte Kuskus mit Hülsenfrüchten, darunter Linsen, Bohnen, pastellfarbene Pasten und frittierte Klopse aus Kichererbsen, die, gewürzt mit Knoblauch und Zwiebeln, ein feines Pendant zu dem knusprigen Safranlamm bildeten, das Essanija den Zuschauern in einem grün weißen Kleid aus Gurken und Joghurt kredenzte. Spätestens bei dem mit süßen Datteln gefüllten Reispudding kannte das begeisterte Publikum kein Halten mehr und ließ sich zu stehenden Ovationen mit nicht enden wollenden „Giulia, Giulia“-Sprechchören hinreißen.
Den großen Vogel schoss allerdings Buccan Faber ab: Er tanzte lediglich mit einer abgewetzten Dose Sardinen an, die er – wie er vollmundig erklärte – auf dem Weg zum Wettkochen einer Gruppe herumlungernder Bierpunks abgeluchst hatte. Die Fischlein flink auf einem Bierdeckel arrangiert und mit einem Viertel Zitrone, das er aus einem Sodaglas stibitzte, exquisit verfeinert, stellte Faber damit erneut seine Pfiffigkeit und seinen Mutterwitz unter Beweis. Dies würdigten auch die Juroren und kürten Faber verdienterweise zum diesjährigen Sieger des großen Schreibclub-Wettkochens.