Siggi Cruise

klippo

Siegesmund war kugelrund, doch kerngesund. Seine ihn über alles liebende Mutter hatte einen richtig süßen Pummelprinzen herangezogen. „Ordentlich aufessen, damit du auch so groß und stark wirst wie Vati!“ meinte sie dreimal am Tag, während ihr Sohn die monströsen Essensportionen in sich hineinschaufelte. Die Belohnung für den ratzeputz leer gegessenen Teller war jedes Mal ein dicker, mit Nougat überzogener Schokoladeriegel. Siegesmund nahm die süße Gabe mit seinen schwitzenden Händen dankend entgegen und ließ sich dabei behutsam seinen massigen Kopf tätscheln. Schokolade hatte seit jeher die strahlende Glückseligkeit eines frohlockenden Barockengels auf sein rosafarbenes, pausbackiges Teiggesicht gezaubert. Doch auch dann, wenn er sich nicht gerade ein Stück Schokolade auf der Zunge zergehen ließ und darauf wartete, dass die Zeit vergeht, strahlte sein Gesicht unentwegt. Schon von weitem glänzte seine überfettete Haut, die dem Vergleich mit speckigem Butterbrotpapier problemlos standhalten konnte, wie ein von der Sonne beschienener Parabolspiegel.

Da sein Kleidungsstil vermuten ließ, es mit einem Lumpensammler oder Landstreicher zu tun zu haben, war seine Reputation unter den Leuten nicht gerade hoch. Alle nannten ihn einfach nur Siggi. Nein, das trifft den Nagel nicht ganz auf den Kopf, denn eigentlich nannten ihn alle nur Maroni-Siggi. Ja, Siggi war Maronibrater in dritter Generation. Er hatte das Handwerk von seinen Eltern gelernt und die wiederum von ihren Eltern.
Da Siggi also aus einer wahrlichen Maronibraterdynastie entstammte, wurde ihm die große Ehre zuteil, den Status eines Maronibraters auf Lebenszeit führen zu dürfen, ohne auch nur einen einzigen Tag in der Maronibraterhochschule gesessen zu haben. Auf eine Verkürzung um ein halbes Jahr der ansonsten dreijährigen Maronibraterausbildung können, der Studienordnung nach, sonst nur an der University of Houston graduierte NASA-Astronauten hoffen.

In der dadurch gesparten Zeit perfektionierte Siggi seine Handgriffe im täglichen Umgang mit den Kunden. Es war ein heißer und schweißtreibender Berufalltag, aber das heimelige Gefühl, das der Duft seiner Maroni in den vom Weihnachtsstress geplagten Passanten auslöste, entschädigte ihn für die Entbehrungen.
Durch die tägliche Arbeit mit den glühenden Maroni waren seine Hände längst von einer dicken Hornhautschicht überzogen und hatten die Schmerzunempfindlichkeit von Hochofenarbeiterpranken angenommen. Doch dies beschränkte Siggi keineswegs in seiner Feinmotorik. Bei jeder Maronibraterolympiade hätte Siggi beste Chancen auf einen der vorderen Plätze gehabt. Denn Siggis großes Vorbild war Tom Cruise. Aber nicht dieser Sientologie-Tom Cruise, sondern der Tom Cruise aus dem legendären „Cocktail“-Hollywoodfilm. In gleicher Manier wirbelte Maroni-Siggi seine heißen Leckerlis spektakulär durch die Luft, um sie hierauf sicher mit den dafür vorgesehenen Papiertüten aufzufangen. Das gaffende Publikum war immer völlig aus dem Häuschen und bedachte jede seiner tollen Vorstellungen mit ohrenbetäubendem Applaus. Die Darbietungen wurden besser und besser und obwohl ihn manche Maronibraterkollegen wegen seiner unkonventionellen Art verlachten und verspotteten, eroberte sich Maroni-Siggi in kürzester Zeit den Titel eines Event-Maroni-Braters.

Dann war es soweit. Der Marketingchef der Silberquellen GmbH kam auf Siggi zu, um ihn als Event-Maroni-Brater für seine winterliche Hüttengaudi im Alpbachtal anzustellen. In Siggis Augen begannen die Dollarzeichen im Stakkato der übrigen Weihnachtsbeleuchtung hell aufzublinken.

„Das ist eine große Ehre“, meinte Siggis Mutter, während sie ihm beim Mittagsessen Rindsrouladen mit Püree auf den Teller schaufelte. „Mach uns stolz, Siggi!“
Siggi, der gerade am Essen kaute, nickte eifrig und strahlte bis über beide Backen. Sein breitschädeliger Kuhkopf dampfte vor Freude und brannte darauf, den Wünschen seiner Eltern zu entsprechen. Heute war sein großer Tag.
„Das Wichtigste aber ist“, fügte der Vater mit spitzem Blick hinzu, „ … dass du uns KEINE SCHANDE machst.“
Er hatte schon fertig gegessen und saß mit überkreuzten Beinen am Küchentisch und studierte die Zeitung. Jetzt lehnte er sich zurück und begann, sich seine Pfeife zu stopfen. Die Enden seines Schnurrbarts bewegten sich dabei leicht und wirkten ein wenig wie die Bartfäden eines Wels’.
Noch immer war der freudestrahlende Siggi nicht in der Lage, Worte zu formen, da sein Mund nach wie vor mit Essensbrei angefüllt war und so erwiderte er den Antrag seines Vaters erneut mit einem eifrigen Nicken. Zum Lohn hievte ihm die Mutter noch eine weitere Portion auf den Teller, die Siggi mit großem Appetit zu verzehren begann. Aber auf einmal – vielleicht lag es daran, dass es schon der siebte Teller war - wollten ihm die Rouladen und das Püree nicht mehr ganz so geschmeidig durch die Kehle schlüpfen.
„Hier, mein Sohn“, trompetete die Mutter und breitete auf dem Tisch ein großes Kleidungsstück aus. „Das wirst du heute tragen!“.
Es war die  „Maroni- Suit“, ein funkelnder Anzug, der in glamouröser Extravaganz den Kostümen von Elvis Presley in Las Vegas in nichts nachstand, aus weißem Polyester gefertigt und mit Dutzenden kleinen Swarovski-Kristallen gespickt, die sich – bei genauem Hinsehen - als überirdisch glitzernde Mini-Maroni entpuppten.
„Die hat uns ein Vermögen gekostet“, sagte die Mutter schnaufend, während sie das Ungetüm auf dem Küchentisch entfaltete. „Aber für unseren geliebten Pummelprinzen ist uns einfach nichts zu teuer! Denn heute ist dein großer Tag. UNSER großer Tag!“
Siggi nickte.

Am späten Nachmittag machten sich Vater, Mutter und Sohn ins Alpbachtal auf. Maroni samt Zubehör waren sorgsam im Kofferraum des Mitsubishis der Familie verstaut und warteten sehnsuchtsvoll darauf, dass Siggi mit ihnen seine spektakulären Kunststücke vollführen würde. Es war noch früh, doch man wollte zeitig vor Ort sein, um die dortigen Gegebenheiten genau zu studieren und alle denkbaren Eventualitäten aus der Welt zu schaffen.
Wie eine kleine, angekokelte Kastanie wand sich der Mitsubishi durch die verschlungenen Serpentinen des Alpbachtals und trotzte mit seinen Schneeketten der Rauheit des Winters, die das Land fest in ihren spröden Klauen hielt. Die Sicht war schlecht, denn es schneite heftig. Der Vater hatte die Scheibenwischer auf höchste Stufe eingeschaltet und zwirbelte nervös an seinem Schnurrbart. Angestrengt kniff er die Augen zusammen, um im weißen Gestöber etwas erkennen zu können. Die Mutter schien das nicht weiter zu stören: Sie saß auf dem Beifahrersitz und unterhielt sich laut mit ihrem Gatten, Siggi und manchmal auch mit sich selbst. Nach und nach ließ der Mitsubishi die Dörfer und Städtlein des Alptachtals hinter sich und drang immer tiefer in das verschneite Bergland ein.

Siggi sagte während der Fahrt gar nichts. Selbst wenn man ihn ansprach, schwieg er beharrlich. Er war schon immer ein stilles Kind gewesen und auch jetzt mit 29 sprach er nicht besonders viel. Aber wozu auch? Meistens gab es ohnehin nichts zu sagen. Und seine Leidenschaft galt ausschließlich dem Maronibraten – eine Tätigkeit, bei der Sprache nur eine untergeordnete Rolle spielte. Im Moment rührte seine Wortkargheit jedoch eher daher, dass er mit seinen Gedanken ganz woanders war. Immer wieder dachte er an sein großes Vorbild Tom Cruise und wie dieser in den verschiedenen Hollywood-Blockbustern die waghalsigsten Abenteuer meisterte. Auch dachte er an die bewundernden Blicke und feuchten Lippen, die auf der markigen Erscheinung des Schauspielers lasteten, wenn dieser in der erotischen Dunkelheit des Kinos auftauchte und knisterndes Getuschel und Popcorngeraschel in tobendes Beifallgetümmel übergehen ließ.
Heute sollten die Menschen IHM diese Reverenz erweisen, denn heute würde ER es sein, der Großes vollbrachte. Mit wohligem Entzücken stellte Siggi sich vor, wie ihm die Menschen zujubeln würden, hatte er sie erst mit seiner Kunst vertraut gemacht. Heute war er der Hauptdarsteller im Blockbuster seines Lebens. Heute war er SIGGI CRUISE.

Da tauchte die Hüttengaudi endlich vor ihnen auf. Sie befanden sich nun im hintersten Zipfel des Alpbachtals, der kaum noch befahrbar war und sich weit abgeschottet von der Zivilisation erstreckte. Wie ein hell erleuchteter Born der Gemütlichkeit und der Freude am Ende eines langen, schwarzen Schlundes leuchteten ihnen die strahlenden Fenster des Berghofs entgegen. Es war eine geräumige, freundliche Hütte und die Gaudi war bereits in Form von gedämpften Stimmen und Musik vernehmbar. Der Vater parkte den Wagen auf einem der wenigen noch freien Parkplätze. Man stieg aus, holte Maroni und Instrumente aus dem Kofferraum und stapfte durch den dicken Schnee zum Eingang.
Die Hütte war hell und laut und bereits vom Dunst vieler Menschen erfüllt. Sie saßen an den Bänken und zechten und lärmten. Der Hüttenwirt - ein kugelrundes Männlein mit roten Bäckchen und einer weißen Schürze – begrüßte sie freundlich. Er bezeichnete Siggi als „liabs Biawal“, fand lobende Worte für sein „bäriges Gwandl“ und stellte die Familie seinem Bruder, dem Marketingchef von Silberquelle, vor. Dieser entpuppte sich als jung gebliebener Möchtegern-Pimp, der es vom Land in die Stadt geschafft hatte. Gemeinsam ging man zum Buffet, um sich bei einem Gläschen Ananasschnaps und den hauseigenen Lachswürstchen zu erfrischen. Siggi blieb allein zurück.
„Und ich bin übrigens Alexa“, ergänzte da jemand. Ein kugelrundes Gesicht mit blonden Zöpfchen und prall gefülltem Dirndl tauchte vor Siggi auf. Interessiert betrachtete er das Wesen, das da so plötzlich in sein Leben geplatzt war und ihn mit seinem strahlenden Lächeln förmlich anleuchtete. Vor allem die Ausbuchtungen am prallen Dirndl erweckten Siggis uneingeschränktes Interesse.
„Ich bin die Tochter des Hüttenwirts“, sagte das Wesen und lächelte wie ein frisch lackiertes Kinderkarussellpferd. „Und du musst Maroni-Siggi sein. Ich habe ja schon so viel von dir gehört!“ Die letzten Worte, die sie aus ihrem pausbäckigen Mündlein flötete, zerrannen zu einem derartig piepsigen Hauchen, dass sich Siggi die Haare sträubten und wohlige Schauer über seinen Rücken jagten.
„Ich muss jetzt wieder weiter bedienen“, flüsterte sie. „Aber wir sehen uns doch später, oder?“ Siggi nickte. „Und dann … wenn du magst …“ – jetzt kam Alexa bedeutend nahe an Siggi heran und biss zärtlich in sein Ohrläppchen – „… kannst du mich ja an meiner KLITORIS kitzeln.“
Und schon verschwanden Zöpfchen und Rundungen wieder hinter einer Traube Menschen, die sich gerade in die Hütte gewühlt hatten und grölend nach Bier verlangten. Auf einen Schlag war der Laden gerammelt voll. Kaltes Schweinernes, vermischt mit Kren und Gurken, verschwand hinter hungrigen Kiefern und erfüllte den Raum mit drögen Kaugeräuschen. Jemand rempelte Siggi an und zog ihn in eine andere Richtung. Er war verwirrt. Vergeblich hielt er Ausschau nach den blonden Zöpfen. Irgendwo schrammelte jemand auf einer Gitarre herum und bierselige Stimmbänder schmetterten volkstümliche Arien. Die Hüttengaudi war im Anflug. Man konnte es fühlen.

DIESE HÜTTENGAUDI IST BÖSE. Unerwartet drang eine Stimme zu Siggi. Erstaunt blickte er sich um, konnte sie aber nicht zuordnen. Wer hatte das gesagt? Und schon wieder ertönte die unbekannte Stimme: DIESE HÜTTENGAUDI IST BÖSE. UNHEIL LIEGT IN DER LUFT. Wer spricht da, fragte sich Siggi verstört und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. Langsam wurde es unheimlich. Überall gab es lärmende Menschen, aber von ihnen war es keiner gewesen. Zuerst dachte er es wäre der besoffene Alm-Öhi gewesen, der direkt hinter ihm stand, aber der brabbelte nur zusammenhangloses Zeug in seinen silbergrauen Bart. Hatte er sich alles nur eingebildet? Existierte die Stimme nur in seinem Kopf? Aber da war sie schon wieder: DIESE HÜTTENGAUDI IST BÖSE. UNHEIL LIEGT IN DER LUFT. Und diesmal noch mit einem Zusatz: FLIEH! SOLANGE DU KANNST! ES IST DIE SCHNAKE, DIE ZU DIR SPRICHT. Und tatsächlich schwirrte gerade eines der langbeinigen Insekten um Siggis Ohren.
„KLATSCH!!“ Mit einem gezielten Zusammenschlagen seiner Hände hatte Siggi die vorlaute Schnake auf die Dicke einer Oblate zerquetscht. Er konnte im Moment keine Ablenkung gebrauchen und überhaupt, dachte er bei sich, ist nicht jede Hüttengaudi böse, ja, vielmehr noch die Luft von Weltuntergang verkündender Kulturlosigkeit erfüllt? Beschwört nicht jedes aus blechernen Boxen plärrende Liedgut, welches aus verkümmerten Synapsen von DJ Ötzi ausgewürgt und wiedergekäut wurde, das kulturelle Ende des Abendlandes herauf? Siggi beendete den für seine Verhältnisse unverhältnismäßig komplexen Gedankengang und besah sich seine Hand. Dort, wo er die Schnake erschlagen hatte, prangte ein kleiner, blutiger Fleck, an dem ein merkwürdig verkrüppeltes Bein hing. Vom restlichen Körper der Schnake fehlte jede Spur. Fast unmerklich begann seine Hand zu kribbeln und zu zucken. Siggi stülpte sein Wurstgesicht über seine fleischige Hand und besah sich mit steigendem Interesse das winzige Löchlein, welches sich unter dem Blutfleck aufgetan hatte. Langsam und zielstrebig bewegte sich ein kleines, dünnes Würmchen unter Siggis Schwarte. „Heilige Maroni“, dachte er bestürzt, hatte er doch glatt die plappernde Schnake unter seine Epidermis gewuchtet! Wieso bewegte sich dieses widerliche Insekt überhaupt noch? Ob er schnell ein, zwei Stamperl Insektizid unverdünnt zu sich nehmen sollte, um ihm endgültig den Garaus zu machen? Schneller, immer schneller zog sich die kleine Schnake ihren Weg, immer weiter seinen Arm entlang. Siggis Augen wurden immer größer und panischer. Die Schnake hatte beinah seine Schulter erreicht, da schien sie abzutauchen und im Inneren seines Körpers zu verschwinden. „Igitt!“ brüllte Siggi laut, doch sein Schrei wurde von dem Grölen der Menschenmassen übertönt, die gerade inbrünstig den Refrain zu „Resi, i hoi di midm Traktor o“ kreischten.

Siggi suchte verzweifelt seinen runden Wanst nach Spuren der Schnake ab, doch sie war offensichtlich tief in seinem Körper verschwunden. Er konnte nur hoffen, dass sich das Vieh bis in die Tiefen seines fleißigen Verdauungstraktes gewagt hatte und dort den scharfen Magensäuren seines Pansens zum Opfer gefallen war.
Aber er hatte auch keine Zeit mehr, sich länger diesem Problem zu widmen. Der Hüttenwirt war neben Siggi getreten, und deutete durch die wummernden Bässe eines mallorcatauglich remixten Roberto-Blanco-Schlagers hindurch auf Siggis Eltern, die neben dem Marketing-Chef bereits Siggis Maroni-Brat-Equipment aufgebaut hatten. Seltsamerweise war aber Siggis Vater damit beschäftigt, den großen Jutesack mit Siggis selbstgezüchteten Spezialmaroni wieder aus der Hütte zu tragen. „Den brauchst du nicht“, sagte der Marketingchef und setzte sein breitestes Grinsen auf, „wir haben hier unsere eigenen, ganz speziellen Maroni.“ Das verwunderte Siggi, denn bei den vielen Events, die er nun mit seinen Maroni-Brat-Künsten veredelt hatte, hatte noch nie ein Veranstalter eigene Maroni beigesteuert. Etwas war faul.

Schon schleppte der Hüttenwirt von einer kleinen Tür her ein bauchiges Holzfass an, das bis zum Rand mit Maroni gefüllt war. Es waren die schönsten, prallsten und braunsten Maroni, die Siggi je gesehen hatte. Mit Wonne begann Siggi, die Maroni zu braten. Es knisterte und brutzelte, die Maroni sprangen regelrecht in Siggis großer, blecherner Maronibraterpfanne herum (und dann und wann glaubte Siggi sogar, ein leises Kinderlachen zu hören). Die Gäste waren beeindruckt, die Nachfrage war groß. Noch nie war Siggi so erfolgreich gewesen. Aber es betrübte ihn, dass er nicht wusste, ob das an seinen Maroni-Brat-Fähigkeiten lag, an seinem Elvis-Anzug, oder am unglaublichen Wohlgeschmack dieser geheimnisvollen Maroni.

Plötzlich spürte er ein Kitzeln in seinem Nacken – er wusste sofort: dieses Kitzeln konnte nur von einem blonden Zöpflein stammen. Alexa! Siggi hätte es beinahe laut ausgerufen. Rasch drehte er sich um, nur um zu sehen, wie Alexa schon wieder dabei war, durch eine niedrige alte Holztür zu verschwinden. Auf der Schwelle drehte sie sich noch einmal um, und zog flink das blauweiße Dirndl-Röcklein, das sich wie ein Gebirgsbach um ihre fülligen Hüften wand, hoch, nur so weit, dass Siggi ihr kleines Möschen sehen konnte. Sie trug keinen Schlüpfer. Siggi, der bereits den ganzen Abend immer wieder an Alexas Angebot denken hatte müssen, wurde rasend. Er musste diese Frau haben, und zwar jetzt. Ohne einen weiteren Gedanken an die Maroni zu verschwenden, die weiter munter in ihrer Pfanne brutzelten, ließ Siggi seine Eltern links liegen und lief in Richtung der kleinen, hölzernen Tür. Aus dem Augenwinkel konnte er noch sehen, wie der Hüttenwirt und sein Bruder beide laut lachten.

Hinter der Tür erwartete Siggi so etwas wie eine andere Welt. Fernab der billigen Showband, der hölzernen Klapp-Bierbänke und der johlenden Massen war er in jenen Teil der Berghütte geraten, der noch unberührt von jeder Touristisierung geblieben war. Ein eisig kalter Wind trug dumpf die letzten Klänge der Musik zu ihm herüber, es roch nach Räucherspeck und altem Fichtenholz. Am oberen Ende einer schmalen, brüchigen Holztreppe sah Siggi noch das Zipfelchen von Alexas Röcklein verschwinden.

Die Holztreppe ächzte schwer, als Siggi stöhnend die Treppe erklomm. Oben angekommen, fand er sich in einer Art Heuschober. Allerlei seltsames altes Bauerngerät stand in den schattigen Ecken und staubte vor sich hin. In der Mitte des Raumes war ein großer Berg Heu, vor dem breitbeinig Alexa stand. Sie ließ den Rock von ihren speckigen Hüften gleiten. Wie angewurzelt stand Siggi da.

„Was ist? Willst du etwa nicht?“ hauchte ihm Alexa zu. Wie von ihrer haarigen Scham hypnotisiert, näherte sich Siggi der lüstern lachenden Hüttentochter. Zum Glück bestand Siggis weißer Anzug aus einem Stretch-Material – es hatte sich nämlich schon ein bescheidenes kleines Zelt aufgespannt. Alexa lächelte freudig über diesen Anblick. Mit ihren wurstigen, aber erstaunlich flinken Händen ließ sie den Reißverschluss auf Siggis runder Vorderseite bis ganz nach unten gleiten. Dann packte sie kräftig zu und begann, Siggis kleinen Zinnsoldaten zu massieren. Vor Siggis Augen begann sich alles zu drehen. Immer schneller und schneller rubbelte Alexa Siggis Lusthobel, bis Siggi schließlich nicht mehr anders konnte: er packte Alexa, stürzte sie auf den Heuberg, und sich auf sie. Nach wenigen ungeschlachten Stößen, die Siggi gerade noch so in Alexas nassfeuchtes Loch machen konnte, platzte er schließlich. Gefühlte drei Liter seines braunen Liebessaftes (die ungewöhnliche Färbung verdankte er seinem berufsbedingt heftigen Maronikonsum) spritzte er in sie hinein, in sieben, acht sich heftig durch seinen Körper ziehenden Wallungen.

Erschöpft lag er neben ihr. Er wollte ihr ein sanftes Küsschen auf die Backe drücken, doch Alexa stand zügig auf. Er wollte es ihr gleich tun, konnte aber nicht einmal seinen Kopf heben, so erschöpft war er. Alexa machte weder Anstände, sich zu ihm umzudrehen um ihm ein liebes Wort zu widmen, noch, sich den blauweißen Rock wieder anzuziehen, der da immer noch zerknittert am Boden lag. Siggi wollte sich am Sack kratzen, doch es gelang ihm nicht. Er war gelähmt.

Nicht nur das: er war auch dünner geworden. Wo ihm zuvor sein rundes Bäuchlein den Blick auf seine Kronjuwelen versperrt hatte, war nun freie Sicht. Wie aus einem kaputten Ballon schien die Luft aus ihm zu entweichen. Doch nicht nur das: im selben Maße, wie Siggi schrumpfte, schien Alexa immer praller und praller zu werden. Es fiel ihr richtig schwer, sich auf den Rand des großen Holzzubers zu stellen, der Siggi erst jetzt so richtig aufgefallen war. Ächzend und stöhnend nahm sie mit breit gespreizten Beinchen ihre Position über dem hölzernen Gefäß ein. „Was ist mit mir?“ rief Siggi entsetzt.
Alexa begann indes zu pressen. Ihr fleischiges Gesicht verzerrte sich zu einer grausigen Grimasse und wurde kirschrot, während Schauer durch ihren ganzen Körper liefen. Ein Zittern lief durch ihre Labien, dann noch eines, schließlich schob sich etwas aus der Tiefe von Alexas Vagina heraus. Plopp machte es und purzelte in den Zuber.

Eine Marone.

Plopp. Plopp plopp. Plopp-plopp-plopp-plopp. Noch eine. Noch eine. Die Maronen begannen regelrecht aus Alexa herauszuregnen. Pffffrrrrt. Wie ein Maschinengewehr. Alexa begann, panisch zu kreischen wie eine Harpyie. Iiiiiieeeeeeee.

Maroni-Siggi lag noch immer völlig verausgabt am Boden und konnte kein Glied rühren. Mit stummem Entsetzen musste er mit ansehen, wie Alexa sich immer weiter aufblähte. Keine Frage, ihre Rundungen waren auch früher schon eindrucksvoll gewesen. Doch das hier hatte eine neue Qualität: Alexa näherte sie sich jetzt unaufhaltsam der Kugelgestalt. Die Maroni entsprossen ihrem gebärfreudigen Becken in einem immer rasanteren Stakkato – doch leider nicht schnell genug. Und so kam es, wie es kommen musste. Alexa platzte.

Begleitet von einem fürchterlichen Schmerzensschrei, den Siggi sein Lebtag nicht mehr vergessen würde, zerstob die dralle Wirtstochter zu einer Wolke aus Zöpfchen, Blut und Esskastanien.
Die schreckliche Explosion weckte Siggi endlich aus seinem Erschöpfungszustand. Mühsam rappelte er sich auf und trat vollkommen bleich und verstört an den Rand des Zubers. Und wirklich, durch dichte Tränenschleier erkannte er die traurige Wahrheit: Von der wunderschönen Alexa war nichts anderes übrig geblieben als ein gewaltiger Maroniberg.       

Normalerweise wäre dem Kastanienliebhaber bei einem solchen Anblick das Herz übergegangen – doch nun fühlte es sich so an, als wollte es in seiner Brust zerspringen. In einer Brust, die kaum noch wiederzuerkennen war …
Denn, ach!, auch Siggi selbst hatte sich verändert. Vielleicht nicht ganz so gründlich wie die liebliche Alexa – doch auch in seinem Fall waren die Figurprobleme unübersehbar. Vom feisten Wonneproppen von einst waren nur noch Haut und Knochen übrig. Der funkelnde Maronibrater-Anzug hing schlaff an seinem dürren Gestell, Ärmel und Hosenbeine schlotterten erbärmlich. Was würde Mutter sagen, wenn sie ihren kleinen Pummelprinzen in diesem Zustand erblickte? Wie sollte er ihr je erklären, was geschehen war? Sollte er ihr vielleicht sagen: Hallo Mutter, ich hatte ungeschützten Geschlechtsverkehr mit der Tochter meines neuen Arbeitgebers. Nach einer Blitzschwangerschaft hat sie einen Zuber voller Maroni auf die Welt gebracht. Leider ist sie dabei geplatzt. Dafür bin ich völlig zusammengeschrumpelt. Ach ja, und bevor ich’s vergesse: Ich trage seit heute eine sprechende Schnake in meinem Körper.“

 „Augenblick“, dachte Siggi, als er diesen für seine Verhältnisse unverhältnismäßig komplexen Gedankengang beendet hatte, „die Schnake!“ Der Maronibrater kratzte sich nachdenklich an seinem nunmehr hageren Schädel. Was mochte aus dem kleinen Schädling wohl geworden sein? Ob er ihn mitsamt seinem Bauch losgeworden war?
„KEINE ANGST. ICH BIN HIER.“
Siggi zuckte zusammen. Er erkannte die Stimme der Schnake sofort wieder. Nur klang sie diesmal noch viel näher als zuvor in der Gaststube. Ganz so, als komme sie aus ihm selbst.
„Wo … wo bist du?“, stammelte Siggi. Angstvoll suchte er seinen knochigen Körper nach etwaigen Spuren des Insekts ab. Arme, Beine, Hüfte, Bauch, …
„KALT, GANZ KALT“, sagte die Schnake und lachte ohrenbetäubend.
„Schluss mit dem Versteckspiel“, rief Siggi, „wo zur Hölle steckst du?“
„IN DEINEM GEHIRN.“
„Was?“, schrie der Maronibrater und schnappte panisch nach Luft. „Was treibst du denn da oben?“

„NUN“, erläuterte die Schnake mit dröhnender Stimme, „OBWOHL DU MICH TAKTLOSERWEISE IN DEINEN EIGENEN KÖRPER HINEINGEPRÜGELT HAST, WOLLTE ICH DICH NOCH EIN ALLERLETZTES MAL VOR DER BÖSEN HÜTTENGAUDI MIT ALEXA WARNEN. UND DA DACHTE ICH MIR, ICH SOLLTE VIELLEICHT EHER DEIN GEHIRN AUFSUCHEN ALS DEINE HARNRÖHRE ODER DEN MAGEN-DARM-TRAKT. OBWOHL“, die Schnake seufzte verbittert, „DER UNTERSCHIED WÄRE VIELLEICHT GAR NICHT SO GROSS GEWESEN …“
„Jetzt reicht es mir aber“, rief Siggi resolut, „in meinem eigenen Kopf lasse ich mich nicht beleidigen. Geh da sofort wieder raus!“
„DAS WÜRDE ICH JA GERN“, seufzte die Schnake, „ABER LEIDER SITZE ICH FEST.“
„Dann werde dich herausschneiden!“, rief Siggi zornig und kramte in den Anzugtaschen nach seinem Maronimesser.
„BEVOR DU ETWAS UNÜBERLEGTES TUST, MUSS ICH DICH AUF EINE KLEINIGKEIT AUFMERKSAM MACHEN“, sagte die Schnake ernst, „UM EIN PAAR GRAUE ZELLEN ZU FINDEN, MUSSTE ICH LEIDER SO WEIT IN DEIN GEHIRN VORDRINGEN, DASS MAN MICH NIE MEHR HERAUSOPERIEREN KANN, OHNE IRREPERABLE SCHÄDEN AN DEINER HIRNRINDE ANZURICHTEN. OBWOHL: IRREPERABEL …“
„Jetzt habe ich aber genug von deinen Frechheiten“, brüllte Maroni-Siggi, „wenn du glaubst, dass du dich einfach so in meinem Gehirn einnisten kannst —
„JA, GLAUBST DU DENN, ICH HABE MIR DAS AUSGESUCHT?“, unterbrach die Schnake wütend, „MEINST DU ETWA, ICH BIN GERNE HIER DRIN? DA WÜSSTE ICH WEISS GOTT LOHNENDERE ZIELE. FÜR EINEN KRITISCHEN INTELLEKTUELLEN WIE MICH IST DIESE ÖDNIS JA KAUM AUSZUHALTEN!“
Siggi schniefte beleidigt und schwieg.
Doch die Schnake legte noch eins drauf. „VERDAMMT WENIG LOS HIER OBEN“, spottete sie, „SO WEIT ICH DAS BEURTEILEN KANN, DENKST DU DEN GANZEN TAG NUR AN ZWEI DINGE: ESSEN UND MARONIBRATEN. UND WIE EBEN ZU ERLEBEN WAR, SCHEINEN SICH SOGAR DEINE SEXUALPRAKTIKEN UM ESSKASTANIEN ZU DREHEN.“ Die Schnake rümpfte verächtlich die Nase.
„Dafür kann ich nichts“, stotterte Siggi, jeden Blickkontakt mit Alexas essbaren Überresten vermeidend. „Die Maroni sind plötzlich aus ihr … hervorgebrochen. Ich kann es mir selbst nicht recht erklären.“

„DANN WERDE ICH ES DIR ERKLÄREN“, brummte die Gehirnschnake besserwisserisch, „ALSO: DIE ADRETTE ALEXA VERFÜGTE ÜBER EINE SELTENE GABE – NACH JEDER KOPULATION MIT EINEM MARONIBRATER KONNTE SIE PROMPT EIN PAAR PFUND UNGLAUBLICH WOHLSCHMECKENDER EDELKASTANIEN IN DIE WELT SETZEN. VERSTEHST DU JETZT ENDLICH? DIE MARONI SIND IHRE KINDER.“
„Aber … warum wollte sie gerade mich als Kindsvater?“, fragte Siggi kläglich.
„NUN“, erläuterte die Schnake, „DU BIST BEILEIBE NICHT DER ERSTE. ALLE BERÜHMTEN MARONIBRATER DER WELT HABEN MIT ALEXA IHR ERBGUT GEKREUZT. SIE HAT MIT JEDEM VON DIESEN KAPAZUNDERN CASTANIDEN NACHWUCHS GEZEUGT – MIT DEM KASTANIENKÜNSTLER MARIO MARONESI, MIT DEM AMERIKANISCHEN MARONIVIRTUOSEN CODY CHESTNUTT, MIT ALLEN. HAST DU DICH NIE GEWUNDERT, WAS AUS IHNEN GEWORDEN IST? SIE ALLE WURDEN UNTER IRGENDEINEM VORWAND AUF DIESE HÜTTE GELOCKT UND DORT SO LANGE ALS WILLENLOSE SEXSKLAVEN GEHALTEN, BIS SIE VÖLLIG VERBRAUCHT WAREN. DANACH WURDEN SIE VON DEN EIGENTLICHEN DRAHTZIEHERN, NÄMLICH DEM SKRUPELLOSEN HÜTTENWIRT UND SEINEM UNZURECHNUNGSFÄHIGEN BRUDER, IN DEN BODENLOSEN SCHLUCHTEN DES ALPBACHTALES VERSENKT. UND NUN“, die Schnake machte eine dramatische Pause, „WOLLTEN SIE SICH DEN BESTEN MARONIBRATER VON ALLEN SCHNAPPEN: DICH! ABER DEIN BEITRAG WAR WOHL ETWAS ZUVIEL DES GUTEN …“

„Aber … wozu das alles?“, keuchte Maroni-Siggi atemlos.
„MIT DEN UNWIDERSTEHLICHEN SELBST GEZEUGTEN MARONI VERFOLGEN DIE ABGEFEIMTEN SCHURKEN EINEN TEUFLISCHEN PLAN: SIE WITTERN NICHT NUR DAS GROSSE GELD, SONDERN WOLLEN DIE MENSCHEN AUCH SÜCHTIG MACHEN, SIE SCHLEICHEND UNTERJOCHEN UND LETZEN ENDES … DIE WELTHERRSCHAFT AN SICH REISSEN!“
Diese letzten Worte hatte die Schnake regelrecht geschrieen.
„Oh Mann“, sagte Siggi kopfschüttelnd, „so etwas vollkommen Verblödetes habe ich ja mein Lebtag noch nie gehört. Ist das alles nicht sehr weit hergeholt?“
„ICH HABE MIR DIESE BIZARRE GESCHICHTE JA NICHT AUSGEDACHT“, zischte die Schnake gereizt, „BEDANK DICH BEI HARRY VON SCHWÄNGEL, SOHN.“
„Bei wem?“
„ACH VERGISS ES“, versetzte die Schnake schnippisch, „DAS WAR NUR EIN KLEINER IRONISCHER SEITENHIEB AUF DER METAEBENE.“
„Hä?“, machte Siggi.
„O GOTT, WO BIN ICH HIER BLOSS GELANDET?“, jammerte die Schnake. „ICH STECKE AUF IMMER UND EWIG IM KLEINHIRN EINES UNGESCHLACHTEN MARONIBRATERS – UND DAS ALLES NUR, WEIL ICH IHN VOR DER GRÖSSTEN DUMMHEIT SEINES LEBENS BEWAHREN WOLLTE. DOCH SOGAR DAFÜR BIN ICH ZU SPÄT GEKOMMEN.“ Das Insekt stieß ein wütendes Fauchen aus. „WARUM MUSSTEST DU SIE AUCH SOFORT BESTEIGEN?“

„Ich bin halt ein echter Tiroler“, verteidigte sich Siggi achselzuckend, „und halte mich an den alten Sinnspruch von Luis Trenker: Gonz egal, ob’s a Berg oder a Madl is’ – auffi muass i, des is gwiss!“
„DAS IST GAR NICHT VON LUIS TRENKER“, sagte die Schnake genervt, „DAS HAST DU IRGENDWO IM FERNSEHEN AUFGESCHNAPPT. DU BIST EIN IDIOT! ABER ABGESEHEN DAVON BIST DU AUCH EIN MÖRDER. DU HAST ALEXA GETÖTET. WIE WILLST DU DAS IHREM VATER UND IHREM ONKEL ERKLÄREN? UND WIE WILLST DU AUS DIESER GANZEN SACHE LEBEND HERAUSKOMMEN?“
„Keine Ahnung“, sagte Siggi betroffen. Schlagartig wurde ihm klar, dass er in höchster Lebensgefahr schwebte. „Kannst … du mir nicht helfen?“, stotterte er kleinlaut.
„ERZÄHL IHNEN EINFACH, DASS ALEXA VOR LUST EXPLODIERT IST!“, rief die Schnake sarkastisch und quittierte ihren eigenen Gag mit einem trompetenden Lachen.
„Wie witzig“, knurrte Siggi grimmig. „Übrigens: Könnest du bitte damit aufhören, dauernd in Großbuchstaben zu sprechen? Das ist sehr unhöflich. Außerdem bekomme ich Kopfweh davon.“
„WO NICHTS IST, KANN AUCH NICHTS WEHTUN“, meinte die Gehirnschnake in unverminderter Lautstärke. 
Siggi seufzte resignativ. Ihm wurde plötzlich die allumfassende Ausweglosigkeit seiner Lage bewusst. Alexas geisteskranker Vater und ihr nicht minder wahnsinniger Onkel würden das Verschwinden ihres drallen „Dirndais“ bald bemerken. Und dann war es um ihn, Maroni-Siggi, geschehen. An Flucht war nicht zu denken. Die einsame Hütte war mittlerweile vollkommen eingeschneit. Der Schneepflug würde vermutlich Tage brauchen, um aus dem Tal bis hierher vorzustoßen.

In seiner Verzweiflung tat Siggi das, was jeder gute Maronibrater in seiner Lage getan hätte: Er beschloss, zu hartem Alkohol zu greifen.
Ohne auf die ständigen Störgeräusche der Schnake zu achten, ließ Siggi den verwüsteten Heuboden hinter sich. Er schlich auf Zehnspitzen zur Tür, öffnete sie lautlos und mischte sich unauffällig unter die tanzende, saufende und grölende Meute.
Der drückende Dunst von Alkohol und Sexualhormonen lastete auf der gnadenlos überfüllten und überheizten Gaststube, von der hässlichen Hüttendecke tropfte der Schweiß. Möglichst dezent schlug sich Siggi bis zum Tresen durch, quer durch die partywütige Menge, die zum Äußersten entschlossen schien.
Der Maronibrater vertraute darauf, dass man ihn aufgrund seiner drastisch reduzierten Körperfülle nicht gleich erkennen würde. Trotzdem wich er instinktiv dem Blick des Hüttenwirtes aus, der hinter der belagerten Theke hin und her flitzte und rasant mit Obstler-Stamperln und Cola-Mixgetränken hantierte. Siggi wartete auf einen günstigen Moment – die Menge wogte gerade im Takt von „Zehn nackte Frisösen“ – und stibitzte unbemerkt eine staubige Flasche mit Vogelbeerschnaps unter der Buddel hervor. Er verbarg sie in seiner geräumigen „Maroni-Suit“ und zog sich dann unbeobachtet in eine kleine Vorratskammer zurück, die direkt an den Ausschank grenzte.

Erschöpft ließ sich Siggi hinter ein Regal voll Dauerwurst und „Feigling“-Kartons fallen und nahm erstmal einen tiefen Schluck aus der Pulle. Und dann noch zwei. Sofort fühlte er sich ruhiger. Er atmete tief durch. Hier, hinter der Dämpfung einer schweren Holztür, waren die penetranten Eini-außi-Rhythmen aus dem Schankraum nicht viel lauter als das Pochen seines eigenen Herzens. Die Geborgenheit und behagliche Stille der dämmrigen Speisekammer machte Siggi beinahe schläfrig.

„Hilf mir!“
Der Schrei traf Siggi so unvermittelt, dass ihm fast die Flasche entglitten wäre.
„Halt’s Maul, Schnake!“, rief er zornig, „musst du mich so erschrecken?“
„ICH WAR DAS NICHT“, sagte die Schnake ungehalten. „ICH HABE ES AUFGEGEBEN, MIT DIR EINE ZIVILISIERTE KONVERSATION FÜHREN ZU WOLLEN.“
Siggi kratzte sich ratlos am Kinn. War er wirklich schon so betrunken? Hatte er sich den Hilferuf nur eingebildet? Drehte er langsam durch?

„So hilf mir doch!“
Siggi fuhr zusammen. Diesmal hatte er den seltsam hohl klingenden Ruf ganz deutlich vernommen. Aber wer hatte da gerufen? Hatte er, Siggi, plötzlich noch eine zweite Stimme in seinem Kopf? Diese Möglichkeit schien dem Maronibrater äußerst bedenklich.  
„Ich bin hier unten!“
Siggi blickte an sich herab. Er erstarrte. Kein Zweifel: Der Hilferuf war aus der Schnapsflasche gekommen!
„Wer … wer bist du?“, rief Siggi mit belegter Stimme in den schmalen Flaschenhals hinein. „Und was machst du da unten?“
„Ich bin es. Tommy!“, klang es aus der Flasche zurück, „Ich bin hier drin gefangen. Ich flehe dich an, lass mich raus!“

„Unglaublich“, dachte Siggi aufgeregt und begann vor freudigem Schrecken zu zittern. Tom Cruise! Sein großer Held, sein leuchtendes Vorbild steckte in dieser Flasche! Das war die Rettung …
„Tommy“, brüllte er in die Flasche hinein, „wie schön, dass du hier bist. Weißt du, ich stecke furchtbar in der Klemme. Du musst mich hier raushauen!“
„Was auch immer es ist, ich kann dir helfen“, sagte die Stimme aus der Tiefe der Buddel, „aber zuerst musst du mich hier raushauen. Ich stecke nämlich auch in der Klemme.“       
„Halt aus Tommy“, rief Siggi heldenhaft, „ich werde dich befreien!“ Er holte weit aus, um die Flasche mit einer kraftvollen Bewegung am Boden zu zerschmettern.
„Hey, Moment, was hast du vor?“, tönte es erschrocken aus der Schnapsflasche. „Nicht! Das wäre mein Tod!“
„Aber was soll ich denn sonst tun?“, fragte Siggi hilflos und ließ die Buddel sinken.
„Du musst einfach nur an der Flasche reiben“, sagte die Stimme, „dann bin ich frei!“
„TU’S NICHT!“, schrie die Schnake warnend dazwischen, „AN DER SACHE IST WAS FAUL!“
„Aber da drinnen ist Tom Cruise!“, rief Siggi aufgebracht, „ich muss ihn befreien!“
„BITTE, GLAUB MIR WENIGSTENS DIESMAL“, sagte die Schnake langsam und eindringlich, „DA STIMMT ETWAS NICHT! WARUM SOLLTE TOM CRUISE IM HINTERSTEN ALPBACHTAL IN EINER FLASCHE MIT VOGELBEERSCHNAPS SITZEN?“
„Weil man ihn dort hineingesperrt hat“, antwortete Siggi mit unverwüstlicher Logik und begann, vorsichtig an der Flasche zu reiben.

Die Wirkung war enorm. Mit einem lauten Klirren zersprang die Schnapsflasche in tausend Scherben. Aus den Trümmern drang augenblicklich dichter grüner Nebel hervor, der den ganzen Raum erfüllte und das Atmen unmöglich machte.
Als sich die Schleier langsam wieder senkten, wurden die Konturen eines Mannes sichtbar – mit nacktem Oberkörper, langen blonden Engelslocken und fürchterlichen Schlaghosen.
„NA SERVUS“, sagte die Schnake leise.

Der Flaschengeist hustete ein wenig, klopfte sich den Staub aus seinen weißen Beinkleidern und sah sich ein wenig verwirrt um.
Maroni-Siggi betrachtete die bizarre Erscheinung mit sprachlosem Grauen. „Das … das ist ja gar nicht Tom Cruise“, brachte er nach einer Weile mühsam heraus.
„DU MERKST ABER AUCH ALLES“, sagte die Schnake in schneidendem Tonfall, „ABER WEIßT DU AUCH, WER DAS WIRKLICH IST?“
Siggi schüttelte stumm den Kopf.
„DAS IST TOMMY“, erklärte die Schnake oberlehrerhaft, „DER BLINDE, TAUBE UND STUMME FLIPPERSPIELER AUS DER GLEICHNAMIGEN ROCKOPER VON THE WHO.“
„Nie gehört“, murmelte Siggi. 
Die Schnake holte tief Luft und begann ohne Vorwarnung zu singen, entsetzlich laut und falsch: „TOMMY, TOMMY, CAN YOU HEAR ME?“
„Hör auf!“ Siggi hielt sich entsetzt die Ohren zu. „Lass’ mich mit deinem Hippie-Müll zufrieden!“
„DIESE KULTURLOSIGKEIT ÜBERRASCHT MICH WENIG“, erwiderte die Schnake sardonisch, „TJA, WENN MAN NUR MIT DEN FIDELEN MÖLLTALERN SOZIALISIERT WURDE …“
 
Siggi wollte etwas erwidern, doch in diesem Augenblick hatte Tommy ihn erspäht. Mit federndem Schritt trat er vor Siggi hin und starrte mit unverhohlener Bewunderung auf dessen glitzernden Maronibrater-Anzug.
„Furchtbar schicke Schale, Mann. Wirklich dufte. Nur etwas weit um die Hüften!“

Siggi glotzte den fremden Mann verständnislos an. „Ich dachte, du bist blind, taub und stumm?“, fragte er konsterniert.
„Ach wo“, meinte Tommy mit einer wegwerfenden Geste, „das hab’ ich nur behauptet, um den Backfischen leichter an die Wäsche zu kommen. Als Österreicher kennst du vielleicht dieses alte Lied …“ – Tommy stimmte unvermittelt eine rührselige Heurigenmelodie an - „… Krüppel, ham so was Rührendes, Krüppel, ham was Verführendes …“

„Wie bist du überhaupt in die Flasche gekommen?“, unterbrach Siggi eilig. Ihm schwirrte der Kopf.
„Darüber will ich nicht lange palavern“, sagte Tommy und fuhr sich verlegen durch die blonden Locken, „nur so viel: Skiferien in den Alpen. Ein feucht-fröhlicher Budenzauber. Eine flotte Biene. Eine verlorene Wette.“
„Schlimme Sache“, meinte Siggi mitleidig. „Aber mich hat’s auch ganz schön erwischt.“ In knappen Worten erzählte er Tommy die ganze Geschichte. „Und darum brauche ich dringend deine Hilfe“, schloss er. „ Du hast doch besondere Kräfte, oder?“

„Leider nein“, Tommy schüttelte bedauernd den Kopf. Dann hellte sich seine Miene plötzlich auf. „Moment: Ich kann verdammt gut flippern!“
Die Enttäuschung stand Siggi ins Gesicht geschrieben. „Ist das alles?“
Tommy nickte. 
„A-aber, warum hast du dann gesagt, du könntest mir helfen?“, fragte der Maronibrater kläglich.
„Warum wohl? Damit du mich rausholst“, meinte Tommy unverblümt. Als er die Tränen in Siggis Augen sah, legte er ihm freundschaftlich den Arm um die Schulter. „Keine Sorge, altes Haus“, sagte er kumpelhaft. „Wir werden’s den Ganoven schon zeigen. Aber vorher“, Tommy senkte verschwörerisch die Stimme, „geh’n wir zwei Hübschen auf Aufrisstour!“ Er knuffte den Maronibrater in die Seite. „Zwei Goldjungs wie wir werden bestimmt nicht lang allein bleiben, was?“ Er zwinkerte Siegesmund aufmunternd zu. 

„Ich kann nicht“, jammerte Siggi verzweifelt, „sie werden mich töten.“
„Das kann warten“, sagte Tommy leichthin, „im Gegensatz zu mir.“ Er ließ lasziv die Hüften kreisen. „Ich war seit 1969 da drin – jetzt bin ich spitz wie Nachbars Lumpi. Also los!“ Er streckte Siggi die Hand entgegen. „Zuerst baggern wir – dann helf’ ich dir! Abgemacht?“
„Nun gut“, sagte Siggi mit einem resignativen Stoßseufzer. Er schlug kraftlos ein.
„Na prima!“, rief Tommy begeistert und klatschte in die Hände. Dann packte er den wehrlosen Maronibrater an der Schulter und schleifte ihn mit sich. „Ob Flippern bei den Puppen immer noch so zieht wie in den Sechzigern?“, fragte er und stieß mit einer schwungvollen Bewegung die Tür zur Gaststube auf.
„MIT SICHERHEIT“, ätzte das Insekt in Siggis Hirn.  

Während er benommen in den Schankraum hinaustorkelte, zog Maroni-Siggi kurz Bilanz. Also: Er hatte eine zynische Schnake im Kopf, in Kürze zwei irre Verbrecher auf den Fersen – und als einzigen Gefährten einen triebgesteuerten, unterstandslosen Flaschengeist, der nichts, aber auch gar nichts konnte. Außer verdammt gut flippern.

„Das ist das Ende“, dachte Siggi, während ihm der lärmende Après-Ski-Hit „Lieschen, Lieschen“ entgegenwehte, „schlimmer kann es nicht mehr kommen.“
Doch da sollte er sich gründlich täuschen …

Der kunstholzgeflieste Hüttenboden war von Alpendodelblutlachen bedeckt. Das schneefräsenhafte Schmalztopfwummern lieferte nun den Soundtrack für einen der letzten Ausläufer einer todbringenden extraterrestrischen Invasion, die während Siggis kurzer Abwesenheit das Alpbachtal erreicht hatte.

Er ging im Kopf nochmals die Liste seiner existentiellen Fragen durch und stellte fest, dass jetzt schon wieder alles anders und überhaupt total verwirrend war. „LASS MICH DOCH KURZ EINSPRINGEN, SONST KOMMEN WIR MIT DIESER GESCHICHTE NIE AUF EINEN GRÜNEN ZWEIG“, hakte die Schnake nach, „NUN DIE ZUSAMMENFASSUNG VON SUSI: ALEXA IST IMMER NOCH TOT, DIE AUSSERIRDISCHEN HABEN DICH VOR ZWEI MORDGEILEN PSYCHOS GERETTET UND JEDE MENGE STROHKÖPFE VAPORISIERT. DOCH WENN SIE NACH IQ VORGEHEN, DANN SOLLTEST DU JETZT AUFPASSEN.“
Siggi kannte sich gar nicht mehr aus. Dass der smaragdhäutige Hüne in der Ecke mit seinem Lasergewehr nichts Gutes im Sinn hatte, war ihm jedoch klar.
Tom war ein wenig reaktionsschneller und versuchte gerade mit einer grüngepanzerten Gottesanbeterin anzubandeln, deren untertassengroße Augen lüstern glitzerten.

Siggis hageres Gestell durchfuhren starkstromgeladene Zuckungen. Seine Pupillen weiteten sich panisch, seine Nüstern bebten vom nervösen Schnaufen. Der Schalter in seinem Kopf war umgelegt. Sein Überlebensinstinkt war  nach langem Winterschlaf aufgewacht.
Das Portal zur Freiheit, die morsche Holzhüttentür schien gar nicht so unerreichbar zu sein. Zudem beobachtete er aus seinen Augenwinkeln, wie sich die ausserirdische Fraktion am kalten Glühwein gütlich tat. Er witterte seine Chance wie ein Lawinenspürhund ein versenktes Stück Blutwurst.
Was Siggi in seiner misslichen Lage dann noch zugute kam, war sein funkelndes Performanceoutfit, das unter den nicht weniger auffallenden Alienhäuten wertvolle Camouflagedienste leistete.
„SIGGI CRUISE, AUF WAS WARTEST DU DENN NOCH!?“, bekräftigte ihn sein Verstand oder auch die Schnake.
Showdown. Wild entschlossen verstaute er seine Maronibraterutensilien in seinem Anzug, von dem er einen Ärmel abriss und um die verschwitzte Stirn band. Seine Zange, die unter normalen Umständen seine kleinen braunen Köstlichkeiten drehte und wendete, rammte er in den Gottesanbeterin´schen Brustkorb und eilte, mit Tommy im Schwitzkasten, nach draussen ins winterliche Schneegestöber und verschwand in der Finsternis des angrenzenden Waldes.
Die Geschichte endet hier mehr oder weniger. Von Siggi und Tommy hat man nie wieder etwas gesehen oder gehört. Wobei das so auch nicht ganz seine Richtigkeit hat.
Jäger und Waldschrate haben ihre Spuren verfolgt und feststellen können, dass die beiden ungefähr ein dreiviertel Jahr im Alpbachtal umhergeirrt sind und sich von den eigentlich für die Wildtiere vorgesehenen Kastanien ernährt haben. Erst im darauffolgenden Herbst hätten sie es erst wieder in die Nähe des Inntales geschafft, wo sie von einer Kolonie hippiebesetzter VW-Busse dazu überredet wurden, sich mit ihnen auf die Jagd nach spitzkegeligen Kahlköpfen zu machen. So kamen sie also ins Alpbachtal zurück , wo sie wahrscheinlich immer noch ihr zugedröhntes Dasein fristen, Tommy, das Rockopernstarlett, die beinamputierte Schnake und Siggi Cruise, einst der beste Maronibrater der Welt.

Die Frühlingsmeteormorphose

klippo

 

Vom roten Glühen der Blumen durchwirkt, breitete sich der Park dem lustwandelnden Volk wie ein farbenfroher Teppich aus. Es war heiß. Wie eine Spinne kroch die Hitze hinter den Bergen hervor und hüllte das Land in ein Netz aus unsichtbaren Fäden. Den Flieder freute es und er tränkte die Luft mit seinem violetten Duft.  

 

Die Menschen tummelten sich in Scharen auf dem Gelände des großen Parks. Allen voran der pralle Maigott, der breitbeinig auf seiner Bank saß und mit seinem Volk Hofstaat hielt. Keck forderte er die vorübergehenden Passanten auf, ihm Zigaretten zu schenken und trank dazu warmes Bier aus Dosen. Kinderkreischen, das vom Spielplatz herüberwehte, mischte sich in sein raues Lachen.

 

Während Vater und Mutter sich in nichts sagende Gespräche vertieften, streifte ihre kleine Tochter durch das Drachenblutwäldchen, wo sie sich bestens mit den dort lebenden Gespenstern unterhielt. Ein weißer Fremdling tauchte auf, grüßte das Mädchen und die Gespenster freundlich und setzte sich in die Laube. Er merkte nicht, dass er dabei aufmerksam von den beiden Weiblein beobachtet wurde, die am Weiher mit der Fütterung von Enten beschäftigt waren. Während sich die Wasservögel gierig um die Krumen balgten und der Weiherspiegel zu einem glitzernden Tumult zerbarst, tuschelten sie verstohlen miteinander. Dann gab es noch einen alten Lüstling, der sich mitten auf der Wiese mit zwei Studentinnen vergnügte, die er zum Zwecke der Vielweiberei aufgegabelt hatte. Da er dumm, hässlich und ordinär war, kam er gut bei Frauen an.

 

Der weiße Fremdling saß noch immer in der Laube, während der Maigott zornig nach mehr Bier verlangte und seine Untertanen mit leeren Dosen bewarf. Die beiden Studentinnen lauschten mit großen Augen dem geistlosen Monolog des geilen, alten Ziegenbocks. Dem aufmerksamen Beobachter entging nicht, dass ganz hinten, wo schon verwildertes Gestrüpp begann, ein weißlich verquollener Zwerg aufgetaucht war und um das mit Efeu berankte Steinkreuz strich. Fast nicht erkennbar, da im grünlichen Buschflimmern verborgen, blickte er immer wieder auf seine goldene Taschenuhr.

 

Indes knabberten zwei niedliche Streifenhörnchen ohne Unterlass an den winzigen Nüsschen, die der nasskalte Herbst ihnen dereinst beschert hatte. Krachend barsten die harten Schalen, während die Nagetiere das weiche Innere behände in ihre aufgeblähten Backen stopften. Die kleinen Würmlein, die dabei ihre Hinterpfoten umschmiegten, während sie durchs lockere Erdreich glitten, schienen die beiden pelzigen Kameraden nicht im Geringsten zu stören.

 

Doch zurück zu dem verquollenen Zwerg: dieser hatte nun begonnen, im Rhythmus des Quellwassers „Ich komm’ zu spät“ zu murmeln, und auf ein dumpfes Erdloch zuzuhasten. Hastig, hastig, so eilte er. Das kleine Mädchen aus dem Drachenblutwäldchen wollte ihm folgen, doch der Maigott warnte sie: es gibt kein Zurück aus diesem Erdloch für Menschen – nur Zwerge können es unbeschadet überstehen. Aha, dachte sich das Mädchen und widmete sich lieber seinem großen Zeh. Doch zurück zum Lüstling.

 

Die Vollweibversion  von Studentin wagte aus den Augenwinkeln heraus einen verstohlenen Blick auf den Zustand der “Godnessness” des sexgeilen Alten.
Allein dort, wo sie den Sitz des allein selig machenden Himmelspförtleins vermutete, wölbte sich zu ihrem Erstaunen -NICHTS!
Geübt glitt ihre samtweiche Hand zum vermeintlichen Paradiesgärtlein, doch oh Schreck, weder göttliche Mamba nebst Anhängsel war auch nur im Entferntesten tastbar und spürbar …
Was, wenn der er keinerlei himmlische Vergnügungen bot?
Bei seiner Prächtigkeit!
Er rauchte.
Das war`s!
Sie biss ihm ins linke Ohrläppchen, flüsterte leise Anzüglichstes in sein Öhrchen und staunte nicht schlecht, als sich das Öhrchen langsam verhärtete und schließlich lautlos zerplatzte.
Ein wohliges Gefühl durchpulste sie und ebbte erst Tage später langsam ab.

 

„Ecila!“, riefen die farblosen Erzeuger des kleinen Mädchens, „so komm doch! Das Zen-Picknick beginnt in drei Minuten fünfundvierzig Sekunden!“ Doch diese war nach eingehender Betrachtung ihres drachenblutpollenbestäubten Zehs zu dem Schluss gelangt, sie könne in Anbetracht ihrer liliputhaften Fußfingerlänge wohl gerade noch als Angehörige des munteren Stollenvölkchens durchgehen. Somit schien einem Erkundungsgang im Zwergentunnel nichts mehr im Wege zu stehen. Nichts ernstlich Erschreckendes jedenfalls im Vergleich zu dem Fadesse-induzierten Übertritt ins Reich der irdischen Untoten, der ihr im Beisein ihrer betongrauen Erziehungsberechtigten unweigerlich drohte.

 

Der würzigwarme Hauch pulsierender Goldadern wehte aus dem sepiafarbenen Schlund empor. Weit unten meinte sie das lichtblaue Klirren von Saphiren zu vernehmen. Vorsichtig setzte sie ihre zarten Füßchen auf das Wendeltreppchen, das sich pfeilgerade nach unten ins Innere des Bergbauches wand. Dort verschwand das Spiralgehäuse alsbald in der samtenen Nacht der Gesteinsschichten. Windung um Windung huschte Ecila hinunter. Grünlich grinsende Grottenolme erhellten ihr den einsamen Abstieg. Am Ende gelangte sie zu einer Tresortür aus verrostetem Gusseisen, die wider Erwarten lautlos aufschwang, als das Zwergenmädchen sanft dagegen drückte. Mit einem Mal wurde ihr klar, dass sie wusste, was hinter dieser Tür lag.

 

„Da liegt also der Hase im Pfeffer“, murmelte Ecila, während sie sich klopfenden Herzens durch die rostige Tresortür zwängte. „Ich hätte es von Anfang an wissen müssen. Die Zwerge sind in Wahrheit verkleidete Chinesen! Und dies hier ist nichts anderes als der verborgene, mythenumrankte Eingang zu … Chinatown!“

Und tatsächlich: Als sie auf der anderen Seite wieder aus dem Tresortunnel kletterte, fand sich Ecila auf einer geschäftigen Hauptstraße mitten im Chinese Quarter von San Francisco wieder. Aus dem Fehlen motorisierten Verkehrs, der vorsintflutlichen Straßenbeleuchtung und der unzeitgemäßen Gewandung der vorbeihuschenden Passanten schloss sie, dass sie zugleich auch einen Zeitsprung ins späte 19. Jahrhundert getan hatte.  

 

Von kindlicher Neugier und körpereigenen Halluzinogenen befeuert, ließ das Mädchen die pulsierende Hauptverkehrsader hinter sich und tauchte in das betörende Labyrinth der Seitenstraßen ein. Mit traumwandlerischer Sicherheit bewegte sie sich durch das spinnennetzartige Gewirr aus verwinkelten Gässchen und sinistren, schmutzstarrenden Schleichwegen. Schäbige Pagoden, dampfende Wäschereien, düstere Opiumhöhlen und grimmige Chinamänner auf verbotenen Missionen säumten ihren Weg. Zum Glück konnte Ecila die fremdartigen Schriftzeichen, die auf Straßenschildern und Geschäften prangten, problemlos lesen, so dass sie sich niemals verirrte.

 

Nach einer Weile steuerte das Mädchen auf einen kleinen chinesischen Gemischtwarenladen zu, dessen Eingang hinter einem schimmernden Perlenvorhang nahezu perfekt verborgen war. Die tausend Düfte des Fernen Ostens wehten Ecila aus dem von Petroleumlampen in flackerndes Halbdunkel getauchten Raum entgegen. Hinter der Theke hockte ein uralter, vollständig verwitterter Chinese. Sein weißer, verfilzter Bart war so lang, dass er ihn wie einen Turban um seinen Kopf und wie einen Wickelrock um seinen knochigen Leib gewunden hatte. Nur seine nackten Greisenfüße lugten unter dem dichten Bartkleid hervor. Der Mann verströmte eine Aura äonenalter Autorität. Ecila trat vorsichtig auf ihn zu.   

 

 „Meine untertänigste Verehrung, weiser Li“, sage sie in bestem Kantonesisch, „ich möchte gerne einen Lampion kaufen.“. Doch der alte Chinamann sprach leider nur Unterinntaler Mundart und konnte die höflichen Worte des kleinen Mädchens nicht verstehen.

Also zog Ecila einen Beutel mit kostbaren chinesischen Silbermünzen hervor und ließ sie wirkungsvoll auf die Theke prasseln. Dies wiederum schien den alten Mann sehr zu erzürnen, denn er brach er in wüste Beschimpfungen aus, wobei aus seinem unkontrollierten Redeschwall immer wieder das – Ecila völlig unbekannte – Wort „Saupreißn“ hervorstach.

Widerwillig führte er Ecila, die er augenscheinlich für eine normale Touristin hielt, zu einer Wühlkiste mit pseudochinesischem Ramsch. Er griff scheinbar wahllos hinein und drückte dem Mädchen einen abgelebten Glückskeks in die Hand.

 

Erwartungsfroh biss Ecila in das steinharte Hohlgebäck. Doch statt eines Zettelchens mit Glücksverheißungen sprang ihre eine große schwarze Spinne entgegen! Ehe man sich’s versah, sprang sie dem Mädchen in die hohle Hand und verbiss sich in seinen Pulsadern. Ecila versuchte, das Untier abzuschütteln, doch es war zwecklos.

Sie spürte, wie ihr rechter Arm immer schwerer und gefühlloser wurde, zugleich starrer und kälter. Das Blut gefror ihr in den Adern – in jeder Hinsicht: Mit atemlosem Entsetzen musste Ecila zusehen, wie sich ihr Arm langsam verfärbte und verformte. Kein Zweifel: Ihr wuchsen eisgraue Kristalle aus der Hand!

 

„Wie geschieht mir?“, rief sie der Spinne voller Verzweiflung zu, „was hast du nur mit mir gemacht?“ Auch ihre Stimme klang plötzlich kristallin und zerbrechlich.  

„Du brauchst keine Angst zu haben“, erläuterte die Spinne, während sie weiterhin ihr heimtückisches Serum in Ecilas Blutkreislauf injizierte, „ich bin gerade dabei, dich zu deiner mineralischen Grundstruktur zurückzuführen. Freu dich, du bist nun frei formbar!“

 

„Was … was soll aus mir werden?“, presste Ecila hervor. Sie konnte kaum noch sprechen.

„Nun“, sagte sie Spinne nicht ohne Stolz, „ich besitze eine seltene Fähigkeit: Ich kann Menschen in ihr eigenes Anagramm verwandeln.“ Ihre vielen Augen glänzten vor Verzückung. „Neulich hat mich zum Beispiel der bekannte Fernsehunterhalter OTTO aufgesucht. Nach dem siebten ‚7 Zwerge’-Film war er in ein tiefe Depressionen verfallen und wollte sich das Leben nehmen. Also habe ich ihn in TOTO verwandelt, den niedlichen Hund aus dem Zauberer von Oz. Jetzt kann er seinem großen Idol Judy Garland endlich ganz nahe sein – für immer! Oder die arme ANNA: Sie war immer ein blasses Mauerblümchen, verlacht und verachtet. Ich aber habe sie in NANA verwandelt, die Mondgöttin der Sumerer und strahlende Gebieterin über den weiblichen Eros. Und so kann ich auch dich, liebe ECILA, in das verwandeln, was du dir schon immer gewünscht hast.“

Liebevoll betrachtete die Spinne den unförmigen Kristallbrocken, der mittlerweile vor ihr lag und fuhr mit sanfter Spinnenstimme fort: „Bisher warst du ein kleines Mädchen aus einem todlangweiligen Elternhaus. Doch ich weiß, was du wirklich möchtest: Du willst aufregende Abenteuer bestehen, fremde, seltsame Welten sehen, du willst in Gegenden vorstoßen, die niemand vor dir betreten hat. Nun gut, ich werde dir diesen Herzenswunsch erfüllen. Ich verwandle dich in … LEICA, die erste Hündin im Weltall.“

 

„Oh nein!“, wollte Ecila ausrufen, doch sie hatte keine Stimme mehr. Sie wollte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, doch sie hatte keine Hände mehr. Aber nachdenken konnte sie noch: Während ihre Körpermasse langsam zu mutieren begann, durchzuckte sie eine schreckliche Überlegung. Buchstabierte man „Laika“, das erste Lebewesen im Weltall, nicht L-A-I-K-A? Und war das, was man L-E-I-C-A schrieb, nicht etwas ganz, ganz anderes?

Auch die Spinne erkannte nun ihren fatalen Fehler – doch es war schon zu spät. Ecila befand sich bereits im Endstadium ihrer schmerzhaften Transformation – und verlor das Bewusstsein.

 

Als sie wieder erwachte, schwebte Leica mitten im Orbit. Tausende und abertausende Kilometer unter ihr lag der blaue Planet. Ein wahrhaft atemberaubender Anblick.

„Das muss ich mir näher ansehen“, bellte Leica aufgeregt. Praktischerweise trug sie statt normalen Hundeaugen starke Teleobjektive, die sie bei Bedarf nahezu beliebig weit ausfahren konnte. Mit ihren Augenbrauen konnte sie mühelos die Belichtungszeit einstellen, über die flauschigen Hundeohren ließ sich der Weißabgleich regeln. Und unter Leicas dichten Rückenfell befand sich eine große Klappe zum Einlegen des Films.

Euphorisch ließ Leica ihre Objektivaugen über die Erde gleiten. Nachdem sie sich eine Weile umgesehen hatte, beschloss sie, einen genaueren Blick auf ihre Heimatstadt zu werfen. Also zoomte sie sich immer näher heran, bis sie sogar die kleinsten Details erkennen konnte.

 

Auf den ersten Blick schien alles unverändert: der Park, der Weiher, der Flieder, der pralle Maigott und seine Gespielinnen; und Ecilas Eltern, die in nichts sagende Gespräche vertieft waren. Doch auf einmal war alles anders. Leica wollte ihren hoch auflösenden Kameraaugen nicht trauen, als sie es sah …

 

Das Herz schlug ihr bis zum Hals und sie war vorübergehend wie erstarrt. Hitze bemächtigte sich ihres quadratisch befellten Körper und sie begann leicht fiebrig zu schwanken. Vollkommen auf den kleinen Fleck konzentriert, der sich ihr in weiter Ferne darbot, fuhr sie zittrig ihren Zoom so weit aus, dass er jede noch so kleine Veränderung des Szenarios einfing.

 

Langsam dämmerte ihr, dass sie weder hallizunierte noch einen Objektivfehler hatte. Es gab keine andere Möglichkeit als das es sich um…. nein, das konnte nicht sein! Und doch konnte sie jede Möglichkeit, dass es sich um etwas anderes handelte als das, was sie hier nicht wahrhaben wollte, ausschließen. Als sie ihre letzten Hoffnungen zu Grabe trug, wurde ihr schwummrig zumute und sie fühlte einen leichten Würgereiz, bis es schließlich aus ihr herausbrach: „OH MEIN GOTT! Das ist…“ SWUUUUUUUUUSCH!!!!!!!! Leica verlor nicht nur augenblicklich ihren Orientierungssinn, sondern wurde auch von einem blitzenden Strahl erfasst und in tausend Stücke gerissen

Ihr war völlig entgangen, dass sich hinter ihr ein Raumschiff von monströser Größe aufgeblasen hatte, so sehr war sie auf die – in einem größeren Kontext – nichtigen Vorgänge auf dem Erdplaneten konzentriert gewesen.

Schon allein das war ein Verstoß gegen die kosmischen Regeln von Alpha-Hippelius III., von denen allein schon die ersten drei besagten, dass man immer einen seiner Köpfe nach hinten richten müsse, um nahende Gefahren wenn schon nicht abwehren, so zumindest mit Würde und offenen Augen hinnehmen zu können. (Zu dumm, dass diese Auflagen für Erdenbewohner sowie Telehunde und ähnliche transformierte Geschöpfe von unzureichender Gültigkeit waren. Sie besaßen ja, wenn überhaupt, meist nur einen Kopf. Außerdem erstreckte sich der Bekanntheitsgrad dieser Regeln auf Erden ohnehin nur auf einen äußerst bescheidenen Kreis von ein paar Nerds. Woher sollte also Leica diese kennen? Nun gut, tot ist tot, aber man soll ihr zumindest nicht unangemessenerweise anlasten, sie hätte ihr Dahinscheiden selbst verschuldet. Soviel dazu.)

Das Raumschiff, entstanden aus einem winzigen Mondstaubkorn, welches Leicas Linse verdreckte, hatte innerhalb von Nanosekunden Leicas Transformationsfähigkeit verinnerlicht und eine rasante Metamorphose hingelegt, die sogar die sagenhafte Entwicklung des legendären Pneumus-Centauri ziemlich alt aussehen ließ.

Zuvor in einem säkularisierten Mikrodennebel verborgen, erstrahlte das Schiff nun wie ein neuer Himmelskörper in hellstem Lichte. Schlagartig öffnete sich eine Luke und eine androgyne Computerstimme erhob sich über das Geschehen. Sie schnarrte: „Laser – Action – Power…“

 

Mit diesen Worten fiel der Vorhang und das durchaus dimmbare Kinosaallicht blendete in seiner stärksten Einstellung auf die Audienz herab. Ob das innovative Element des gerade bestaunten Filmes durch die jetzt zusammengekniffenen Augen der Preview-Seher richtig aufgenommen und verstanden wurde, sollten die anschließenden Minuten klären. Die Horde Cineasten machte sich hierzu murmelnd daran, die Feedbackfragebögen auszufüllen und nebenbei die letzten Popcornbrösel aus ihren Fünflitereimern zu filtern.

Langsam drängte ich mich durch die Leute und versuchte nicht überheblich zu wirken. Ich, der ich es ja wusste, welcher Clou mir mit diesem Film gelungen ist, wollte nicht die Möglichkeit einer hundertprozentigen Liebeserklärung meines Publikums durch allzu arrogantes Auftreten riskieren.

So zelebrierte ich mich zunächst lediglich innerlich, indem ich mir mögliche zukünftige Traumkritiken in den einschlägigen Kinozeitschriften vorstellte. Ja, ich habe es geschafft. Ich habe einen Kultfilm erschaffen, den man als gebildeter Mensch auch noch in zwanzig Jahren unbedingt gesehen haben muss. Herrlich farbige Bildkompositionen entlang eines überzeugenden Erzählstrangs, flankiert von Grammy-verdächtigem Sound und aufgepeppt durch rasante Schnitte. Jawohl!

Bis alle Bögen eingesammelt waren, konnte ich es dann doch nicht mehr abwarten. Während meines Streifzuges durch die mich bald feiernde Masse, musste ich einfach einigen Fans über die Schultern schauen. Wieso sollte ich auch keine vorgestreckten schmeichelnden Lobgesänge oder nette Gratulationen zum gelungenen Werk erhaschen. Was war schon falsch daran?

Mit einem Lächeln überspielte ich erste von mir identifizierte Wörter, welche ich in die Kategorie „Keine Ahnung von Filmkunst“ packte. Weitere laienhafte, mir unverständlich negative Ausdrücke tat ich noch ab, indem ich mir dachte, was es die Eiche interessiert, wenn sie von der Wildsau angepinkelt wird. Aber als dann so ein ignoranter Kerl eine schlechte Rollenbesetzung erkannt zu haben glaubte, wurde ich doch etwas mürrisch, da niemand geringerer als ich es war, der die Hauptrolle spielte. Ich äußerte meinen Missmut indem ich ihm seinen Kugelschreiber aus der Hand riss und mit einem höhnischen Lachen vor seinen Augen zerbrach. In meinem Eifer schnappte ich sogleich nach dem nächsten Zettel, auf welchem mir ebenfalls Ausführungen derart missfielen, dass sie mich zu einer wütend artikulierten Stellungnahme veranlassten. Das Geschriebene auf dem dritten Zettel war dann jedenfalls lediglich nur so viel wert, selbigen wütend in kleine Stücke zu zerreißen und das Konfetti über den Kopf der Verfasserin zu streuen. Befragungsbogen Nummer vier formte ich durch Eindrehen kurzerhand zu einem Anzündholz, welches ich sogleich in Flammen aufgehen lies. Hiermit joggte ich dann, einem olympischen Fackelläufer gleich, zu den restlichen eingesammelten Fragebögen und entzündetes auch diese. Das Papier loderte auf und während die Kinobesucher fluchtartig versuchten den Kinosaal zu verlassen, tanzte ich wild schreiend in bester Rumpelstilzchenmanier um das Feuerchen…

 

Heute trifft die Bezeichnung Filmemacher auf mich nicht mehr zu. Heute versuche ich mein Glück mit der Aufzucht von Koi-Karpfen. Bei der internationalen Fischmesse nächste Woche stelle ich meine Züchtungen der Jury vor. Ich bin mir absolut sicher, diesmal habe ich Erfolg!