Luzia und der Fünfsterne-Hamam

astra

Ein psychohygienisches Dramolett in zwei Akten

I. Akt
Bühne: Die Protagonistin, stark geschminkt und lasziv gekleidet, sitzt auf einem roten Samtsofa und trägt ihren Monolog vor. Im Hintergrund laufen die von ihr erzählten Episoden als schwarz-weiß-rote Scherenschnitt-Dioramen ab.

Luzia ist mein werter Name.
Ich bin eine junge Dame
Welche tut, was ihr gefällt.
Anders als der Rest der Welt.

Nein, ich bin kein braves Mädchen
Im Getriebe Sand, nicht Rädchen
Zart und zotig, hold und heiß
Mein kleines Herz so kalt wie Eis.

Süße siebzehn, blondes Gift
Die, wenn Amors Pfeil sie trifft
In eine Boa sich verwandelt
und mit der Beute nicht verhandelt.
Alsdann rette sich, wer kann
Das Opfer ist gewiss ein Mann.

Nun liegt’s in der Natur der Sache
Das männliche Geschlecht, das Schwache
Kann dem Trieb nicht widerstehn
Muss deshalb früher von uns gehn.
Ob Bankdirektor oder Jäger
Psychologe, Schornsteinfeger

Nicht einer ist davor gefeit
Ein jeder fällt zu seiner Zeit
In Gruben, die er selbst gegraben.
Wollt sich doch nur am Obste laben
Äpfel, Birnen, Zwetschken stehlen
Arme Mädchenseelen quälen -

Alle hab ich sie gerächt
Die Trefferquote war nicht schlecht.

Einer war ein rechter Pascha
Mit Namen hieß er, glaub ich, Sascha
Der spielte gerne Kommandant
Ich schubste ihn vom Klippenrand.

Ein andrer wollte mich betrügen
Sich verstecken hinter Lügen
Ihm kocht’ ich Tafelspitz mit Kren
In seiner Soße war Arsen.

Der Nächste war ein Schlägertyp
Am Anfang tat er gar so lieb.
Später wurde es nicht besser
Da blieb mir nur das Fleischermesser.

Dann war da noch der Workaholic
Genügsam wollt er mich, und mollig
Beides wollte ich nicht sein
Ich stellte ihm am Berg das Bein.

Ein weiterer war fad wie Brot.
Da wurd’ ich bös, da sah ich rot.
Den Zorn bekam ich in den Griff
Mit Meuchelmord am Kreuzfahrtschiff.

Nicht zu vergessen der Sadist
Egomane, Pessimist
Er wollte meinen Willen brechen
Mit Stäbchen musst’ ich ihn erstechen.

Der letzte, der war paranoid
Hochneurotisch, schizoid
Ich nahm ihm die Tabletten weg

Er erhängte sich, oh Schreck.

II. Akt
Bühne: Die Hauptdarstellerin liegt in einem Whirlpool. Überall brennen rote Kerzen und Räucherstäbchen. Im Hintergrund wieder die Dioramen.

Dann kam der Tag, an den ich heute
Noch gerne denke: Große Beute!
Da ging ein Dämon mir ins Netz
Magnetismus: das Gesetz
Groß und schlank und schwarz und schön
Mit Flügeln, stattlich anzusehn.

Und ehe er sich’s recht versah
War ich seine Domina.

Doch halt: Ich konnte ihn nicht quälen
Zu ähnlich waren unsre Seelen
Auch er tat nur, was ihm gefiel
Das zeigte sich beim Liebesspiel.

Verdiente er es nun zu leben?
Das Todesurteil aufzuheben
Nein, das war ich nicht gewohnt
Männer werden nicht verschont.

Das Schicksal sollte dies entscheiden
Entweder das Band zerschneiden
Oder uns für immer binden
Weil kein besserer zu finden.

Um Dämons Hingabe zu testen
Würde ich mit Heizölresten
Ein Feuer legen in dem Haus
Und schreien dann: Hol mich hier raus!

Nun goss ich Kannen voll Benzin
Überall im Hause hin
Packte meine Siebensachen
Um dann die Flammen zu entfachen.

Beim letzten Tropfen justament
Kam er zurück: Falscher Moment!

Der Dämon, der war sensitiv
Doch eines war er nicht: naiv.

Er durchschaute mich sofort
Und brachte mich an einen Ort
Wie geschaffen für ein Mädchen
Das Sand sein will, kein keusches Rädchen.

Ein Hamam der ersten Güte
Und die Masseure – Gott behüte
Die verstanden ihre Kunst
So erwirbt man meine Gunst.

Rundherum ein Flammenmeer
Meterhoch, das wärmte sehr
Mein Herz, das einst so tief gefroren
Hat seine Frostigkeit verloren.

Dämons Brüder schürn die Glut
Wallend, wogend kocht mein Blut
Und siehe da, die Männerschar
Die ich ermordet wunderbar
Auch sie sind hier in neuer Tracht
Putzmänner sind sie: Welche Pracht.

Wer noch nie in der Hölle war
Zu empfehlen: Die Inferno-Bar.
Feuerwasser, Met und Wein
Diktatoren schenken ein.

Auch ein Stripclub ist vorhanden
Sollten später Sie dort landen
Sei zur Warnung nur gesagt
Sünder sind hier sehr gefragt.
Die Stripper sind Investmentbanker
Mädchenhändler oder Henker.

Ja, in der Hölle lässt sich’s leben
Böse Mädchen siegen eben.

Indes im Dampfbad-Hinterzimmer
Ich und Dämon: eins für immer.